Stars des Orientalischen Tanzes von gestern und heute

Bauchtanz vermag die Massen zu begeistern. Dabei ist es egal, ob eine Tanzgruppe einstudierte Choreographien präsentiert oder eine Solotänzerin im Alleingang mit grazilen Bewegungen und eigenem Stil den Zuschauer verzaubert. Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass es seit Beginn des Bauchtanzes Stars der Szene gibt, welche einem breiten Publikum bekannt sind.

Die Gründe für die Popularität sind breit gefächert. So kann es etwa sein, dass eine Tänzerin einen ganz eigenen Stil entwickelt und selbst perfektioniert hat. Gleichzeitig bringt der Bauchtanz aber auch Künstlerinnen hervor, welche sich als gekonnte Unternehmerinnen verstehen und neue Märkte für den orientalischen Tanz erschließen.

All diese Stars haben die globale Bauchtanzszene letztlich derart geprägt, dass es Sinn macht, sich im Folgenden den größten Bauchtänzerinnen der Geschichte zu widmen. Wer waren diese Frauen, was machte sie so bekannt und welche Rolle spielen sie heute?

Badia Masabni

Bei der Vorstellung der größten Stars der Bauchtänzerszene führt zunächst einmal kein Weg an Badia Masabni vorbei. Die 1882 in Syrien geborene Künstlerin gilt heute als Vorreiterin des modernen Bauchtanzes, dessen Stil sie in ihren Performances entscheidend prägte. Gleichzeitig bleibt Masabni aber auch für ihr Wirken im Kairo der 20er Jahre unvergessen. So eröffnete sie zu dieser Zeit eine Reihe von Clubs, welche dem Bauchtanz in Ägypten und über die Ländergrenze hinaus zu neuer Popularität verhalf. Ihre Glanzzeit erlebte Badia schließlich in den frühen 40er Jahren, als sie das Casino Badia eröffnete und auch zahlreiche westliche Tänzerinnen in ihren Clubs auftraten. Die Folgen des 2. Weltkrieges sowie politische Unruhen sorgten in den Folgejahren jedoch dafür, dass sich Masabni zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzog und schließlich zu ihrem Geburtsort in Beirut zurückkehrte, wo sie 1976 verstarb. In Erinnerung bleibt Badia Masabni als eine Wegbereiterin für den modernen Bauchtanz und dessen Einzug in den Westen, da ihre Shows nicht zuletzt auch zahlreiche typisch westliche Elemente des Showtanzes boten.

Samia Gamal

An dieser Stelle erscheint es sinnvoll, direkt die 1924 geborene Samia Gamal vorzustellen, war sie doch eine Schülerin Masabnis. So verbrachte Gamal die Blütezeit ihrer Karriere im durch Masabni geführten Casino Opera und unterlag hier nicht nur den progressiven Einflüssen des modernen Bauchtanzes, sondern kam auch in Kontakt mit der westlichen Welt. In der Folgezeit entdeckte Samia Gamal die Leinwand für sich und machte mit zahlreichen Filmproduktionen auf sich aufmerksam. Heute bleibt die 1994 verstorbene Ägypterin vor allem aufgrund ihres eleganten Stils und ihren Einfluss auf die Filmindustrie in Erinnerung.

Mahmoud Reda

Die Nennung des 1930 in Kairo geborenen Mannes Mahmoud Reda mag in diesem Kontext zunächst verwunderlich erscheinen. Ein Blick auf sein Lebenswerk lässt aber schnell erkennen, dass der Choreograph und Tänzer keineswegs fehlen darf. So gründete Reda Troupe, welche aus vielen Stilen des Folkloretanzes auch stets den Bauchtanz als zentrale Tanzform wählte. In den 60er Jahren erschuf Reda hiermit schließlich das bekannteste ägyptische Tanzensemble und sorgte mit seiner akribischen Arbeit als Choreograph auch dafür, dass sich zahlreiche Bauchtanztalente erst voll entfalten konnten. Sein Wirkungskreis geht sogar soweit, dass heute ein eigener Reda-Stil existiert, dessen Elemente neben dem Bauchtanz auch aus dem Ballett und Showtanz stammen.

Nadia Hamdi

Nadia Hamdi kann heute als lebender Beweis gelten, dass Können vor allem auch auf Arbeit beruht. So wurde Hamdi in eine Künstlerfamilie geboren und interessierte sich im Rahmen ihrer Ausbildung nicht nur für den Bauchtanz, sondern studierte unter anderem auch Ballett. Eben diese runde Ausbildung kam Hamadi ab den 70er, 80er und 90er Jahren auch zugute, als sie die Nachtclubs in Cairo mit ihrem eigenwilligen Tanzstil und einem einzigartigen Leuchttanz aufmischte. Heute ist Nadia Hamdi noch als Tanzlehrerin aktiv und gilt als eine akribische Vermittlerin von breitem Tanzwissen.

Dina

Mit der 1966 geborenen Dina kam der Bauchtanz schließlich in der Moderne an. So machte sie sich nicht nur durch ihre präzisen, kleinräumigen Bewegungen innerhalb ihrer Choreographien auf sich aufmerksam. Stattdessen wusste Dina bereits früh auch durch gewagte Kostüme zu überzeugen. Heute gilt Dina als einer der größten Stars der Bauchtanzszene und versteht es auch ausgezeichnet, abseits der Bühne für Schlagzeilen zu sorgen. All die Skandale der letzten Jahre täuschen aber nicht darüber hinweg, dass Dina es in den 80er und 90er Jahren schaffte, im Bereich des Bauchtanzes neue Akzente zu setzen.

Im Laufe der letzten Jahrhunderte hat die Bauchtanzszene natürlich noch zahlreiche weitere Stars hervorgebracht, von welchen zumindest die Namen Amani, Fifi Abdo, Lucy, Mona Said, Nadia Gamal, Nagwa Fuad und Naima Akif nicht unerwähnt bleiben sollen.

Es bleibt dennoch spannend abzuwarten, welche neuen Talente die nächsten Jahrzehnte hervorbringen und ob es auch westliche Tänzerinnen im Zuge der steigenden Popularität schaffen, dem orientalischen Tanz in Form eines Lebenswerks zu neuen Impulsen zu verhelfen.