Kostüm-Sünden

Die zehn häufigsten Kostüm-Sünden

Surft man zum Thema Orientalischer Tanz im Netz, kann man eine Vielzahl von Fotos von Tänzerinnen bewundern, wobei man jedoch nicht nur gute, sondern leider auch sehr viele unvorteilhafte Aufnahmen findet. Gerade bei der Kostümauswahl reiht sich manchmal ein Fettnäpfchen ans andere, wobei es aber im Grunde genommen immer wieder die gleichen Fehler und Kostümsünden sind, die man findet.

Oft ist einem gar nicht klar, woran es denn nun liegt, dass das Kostüm nicht so vorteilhaft aussieht oder nicht richtig sitzt. Wer denkt, mit dem Kauf eines fertigen, kompletten Kostüms bei einem der großen Händler würde man diese Klippen gezielt umschiffen, dem sei gesagt: Erstens gibt es kein perfekt sitzendes Kostüm von der Stange (hier muss immer noch einmal selber Hand angelegt werden) und zweitens sind viele Händler leider genauso unwissend, was dazu führt, dass Frau ein nicht gerade ideales Kostüm verkauft bekommt. Die Billigkostüme vom ägyptischen oder türkischen Bazar (übrigens beliebte Mitbringsel aus dem Urlaub) sind dafür hervorragende Beispiele, jedoch habe ich auch schon in guten Kostümateliers ungünstige Designs gesehen.

Leider ist es so, dass die meisten der unten aufgezählten Punkte die unangenehme Wirkung haben, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen und andere positive und vorteilhafte Punkte neben ihnen verblassen. Da kann der Tanz und das restliche Outfit noch so schön sein – das Gesamtbild ist einfach gestört.

Diese Top-Ten-Liste der häufigsten und schlimmsten Kostümsünden soll Dich davor bewahren, die gleichen Fehler zu machen, über die sich schon andere geärgert haben. Vielleicht wirst Du nun beim Durchlesen denken “Was soll an diesem oder jenem denn nun so schlimm sein” oder “Ok, ein Profi mag das sehen, aber für normales, Nicht-Fachpublikum ist das doch in Ordnung”. Aber hier geht es gar nicht um Profis oder Fachpublikum – hier geht es um einen ganz besonderen und wertvollen Menschen: um Dich! Und möchtest Du Dich wirklich so kleiden, wie es eher unvorteilhaft ist, wenn Du mit ein paar Stichen oder Kniffen (oder bei Fotos sogar nur ein paar Sicherheitsnadeln) ganz leicht ein viel besseres Ergebnis erzielen kannst? Ich denke, das solltest Du Dir selbst wert sein!

Und wenn Du dennoch den einen oder anderen Punkt einfach nicht glauben kannst oder willst, rate ich Dir, einfach mal ein Vorher- und Nachher-Foto zu schießen – meist ist man dann schlagartig kuriert.

Hier nun also die häufigsten Kostümfehler, die man – wenn irgend möglich – tunlichst vermeiden sollte. Und da sich die Kostümrubrik nicht darauf beschränken soll, was man alles falsch machen kann, sondern auch Anleitung geben möchte, wie man es besser machen kann, findest Du auf der Seite “Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen” viele Ratschläge, wie man die folgenden Fehler vermeidet oder beseitigen kann:

 

1. Zu kurzer Rock

Wahrscheinlich der häufigste Fehler überhaupt ist der etwas zu kurz geratene Rock. Dies hat verschiedenen Ursachen: Zum einen Unwissenheit, oder die Angst, beim Tanz über den Rock stolpern zu können (vor allem bei einem großen Schritt rückwärts – sehr heimtückisch!). Oder man entdeckt ein Traum von Kostüm – aber leider ist der Rock eine winzige Kleinigkeit zu kurz. Oder man trägt den Gürtel lieber nicht ganz so tief auf der Hüfte, und der Rocksaum rutscht dadurch höher.

Leider ist es aber tatsächlich so, dass ein zu kurzer Rock die Füße wesentlich größer und die Beine wesentlich kürzer aussehen läßt. Besonders ungünstig macht sie das übrigens auf einer Bühne bemerkbar, wenn das Publikum noch leicht nach oben schaut. Oft beschließt man dann spontan, dass Kostüm zu verkaufen, wenn man im nachhinein das erste Foto von sich damit gesehen hat.

Faustregel: Der Rock sollte im Stehen stets auf dem Fuß (Spann) aufliegen.

Abhilfe: Wie man einen zu kurz geratenen Rock noch rettet, ist bei den “Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen” aufgelistet. Oder verkaufe das Kostüm an eine kleinere Frau, die sicher glücklich damit werden wird.

 

2. Gürtel verkehrt herum

Ok, ich habe lange überlegt, ob man diesen Punkt überhaupt aufzählen muss. Aber zumindest bei den Ebaylern ist ein deutlicher Hinweis entsprechend angebracht, da man hier immer wieder Kostüme sieht, bei denen der Gürtel falsch herum getragen wird (sicher auch nicht gerade verkaufsfördernd). Also: Das runde Teil des Gürtels bitte nach hinten! Aber auch, wenn man es kaum glauben mag: Ich habe auch schon den Auftritt einer Tänzerin miterlebt, die ebenfalls vorne und hinten verwechselt hatte.

Das Problem tritt mehr oder minder nur bei der ägyptischen Gürtelform auf, wo das runde, breite Teil nach hinten auf den Po gehört und das schmale, gerade Teil nach vorne zum Bauch. Bei türkischen Kostümen ist Vorder- und Rückseite meist gleich gearbeitet, so dass das Problem entfällt.

Eine Ausnahme sind asymmetrisch geschnittene Gürtel, wo der breite Teil nicht so rund gearbeitet ist. Diese Gürtel können vorne mittig oder aber nach belieben rechts oder links auf der Hüfte getragen werden.

 

3. Fransen am unteren Rand des BH

Neben dem zu kurz geratenen Rock ist dies der am häufigsten zu beobachtende Fehler. Und nicht zu unrecht fragst Du Dich jetzt vielleicht: “Was soll an Fransen am unteren Rand unvorteilhaft sein?” Ganz einfach: Die meisten Frauen glauben, dass man damit gut etwas Bauchspeck verdecken kann (deswegen auch der Ausdruck Bauchspeckfransen), tatsächlich verkürzen die Fransen aber optisch (wie jede horizontale Linie am Kostüm) und betonen den Speck eher noch (da sie sich ja auch beim Tanzen bewegen). So wird “das bißchen Bauchspeck” genau ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und man sieht gut und gerne noch mal 5 Kilo schwerer aus, als man in Wirklichkeit ist. Wenn Du Dir das nicht vorstellen kannst, rate ich Dir, einfach mal ein Bild mit und ohne Fransen zu machen – Du wirst überzeugt sein!

Abhilfe: Die Fransen büschelweise auf dem BH verteilen, einen langen Strang vorne mittig anbringen oder am oberen Rand des BH´s annähen (dort sind sie nämlich völlig ok) – schon wirkt der Oberkörper viel schlanker und gestreckter. Ein Beispiel für eine gelungene Umarbeitung eines solchen Oberteils findest Du bei den Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen.

 

4. Zu knapp sitzendes oder zu offenherziges Kostüm

Zu knapp sitzendes KostümDieses Thema ist sicher das heikelste und kontroverseste Punkt dieser Liste. Denn was noch reizvoll und was zu offenherzig ist, ist weitestgehend Geschmacksache, so dass sicher über viele Dinge trefflich streiten läßt. Ich denke jedoch, dass die meisten mir zustimmen werden, wenn ich die folgenden Punkte als generelle Gefahrenquelle aufzähle:

Ein Kostüm, das im Ganzen eindeutig zu knapp ist und bei dem Fettpölsterchen herausquellen. Ein zu enger Gürtel, bei dem der Bauch vorne deutlich über den Rand hängt. Ein zu pralles Dekolleté, bei dem man befürchtet, dass die Oberweite den BH jede Sekunde sprengen könnte. Ein zu enger BH, bei dem sich seitlich unter der Achsel Speckröllchen bilden. Ein fleischiger und dickerer, nackter Bauch, bei dem sich Speckrollen übereinander wellen. Schlaffe, unbedeckte Oberarme, die beim Schultershimmie unschön hin und her wackeln. Extrem hoch geschlitzte oder sehr durchsichtige Röcke, wenn die Trägerin sehr stramme oder fleischige Beine hat. Usw. usw. Die Liste ließe sich sicher noch fortsetzen. Diese Art von Fehltritten entsteht leider oft nur dadurch, dass man sich vorab nicht selbstkritisch genug von allen Seiten im Spiegel betrachtet und bewertet hat.

Abhilfe: Freundin oder Ehemann nach der ehrlichen (!!!) Meinung fragen und im Zweifelsfall bedecktere BHs, Bauchnetz, Armstulpen oder Armschmuck sowie Chiffoneinsätze im Rock wählen. Weitere Maßnahmen und Beispiele findet man auf der Seite “Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen” und bei den “Kostümtipps für jede Figur”.

 

5. Zu lange BH-Träger – zu tief hängendes Oberteil

Erstaunlicherweise sieht man auch bei erfahrenen Tänzerinnen oft Kostüme, bei denen die BH-Träger nicht passend und kurz genug angenäht wurden. Bei zu langen Fransen kann der Eindruck eines leicht hängenden Busens entstehen, außerdem wird der Oberkörper optisch verkürzt, da der Abstand zum Gürtel kleiner ist. Dadurch fällt diese Kostümsünde vor allem dann negativ auf, wenn man über eine größere Oberweite verfügt und der Busen nicht mehr ganz so straff ist. Abhilfe: Die Träger kürzen – und zwar so, dass man die BH-Träger gerade noch über die Schulter nach oben schieben kann. Eine genaue Anleitung findet man wiederum bei den”Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen”. Heimtückischerweise haben die Träger nämlich auch noch die Angewohnheit, beim Tanzen langsam aber sicher nachzugeben (durch Körperwärme, Schweiß und Stoffspannung) und so immer länger zu werden…

 

6. Zu locker sitzende BHs – hochrutschende Oberteile

Ein weiterer beliebter Fehler ist es, die Unterbrustweite des BHs nicht straff genug einzustellen, wodurch das Oberteil zu locker sitzt und sich zwei verschiedene Probleme ergeben können:

a) Das Oberteil rutscht vorne langsam hoch und gibt am unteren Rand den Blick auf den Busen frei. Falls es die Tänzerin selbst nicht merkt, die Zuschauer werden es praktisch mit Sicherheit bemerken. Meist kann man dann sehen, wie dass das Publikum mehr oder minder nur noch den Atem anhält und mitfiebert “hoffentlich bleibt das Oberteil dort, wo es soll”.

b) Das Rückenteil des BH´s rutscht im Rücken immer weiter hoch Richtung Nacken und sitzt hinten viel weiter oben als vorne. Diese ist zwar nicht ganz so peinlich wie der vorne hochrutschende BH, aber sicher ebenso wenig kleidsam:

Abhilfe: Die Unterbrustweite enger einstellen (siehe wieder “Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen”) – auch hier wieder wird das Oberteil beim Tanzen noch etwas weiter, so dass der BH wirklich straff sitzen sollte. Wenn man allerdings beim Tanzen blau anläuft, war es eindeutig zu eng ;-)).

 

7. Der Brustwarzenlook

BrustwarzenlookDiese Art des Kostümdesign sieht man oft bei billigeren Basar-Kostümen, die aus dem Urlaub mitgebracht werden. Aber auch bei sehr teueren Kostümen kann es vorkommen – und meist fällt es einem selbst gar nicht so auf, bis man von jemand anderem darauf angesprochen wird:

Genau in der Mitte der BH-Cups prangt ein Ornament oder eine schöne, plastische Stickerei, die den Betrachter unweigerlich an die Brustwarzen erinnert. Getoppt werden kann das Ganze nur noch dadurch, dass möglichst in der Mitte des Ornaments noch ein Büschel Perlfransen sitzt (siehe unten *urgs*)

Nun mag dieser Look bei anderen Vorführungen durchaus gewollt sein, beim orientalischen Tanz sollte man ihn jedoch tunlichst vermeiden – schließlich möchtest Du doch Deine Vorführung nicht mit anderen “erotischen Tänzen” verwechselt sehen, oder? (wobei ich nichts gegen Stripperinnen o.ä. habe).

 

8. Die Unterwäschefalle

Ebenfalls immer wieder zu beobachten: Die durchscheinende oder herausschauende Unterwäsche.

Meist tappt man meist blindlings und ohne jede Schuld in die Falle. Zu Hause vor dem Spiegel war der Rock noch blickdicht, auf der Bühne jedoch, womöglich noch bei Gegenlicht – entpuppt er sich plötzlich und unerwartet als erschreckend transparent! Hat der Slip dann noch eine andere Farbe als das Kostüm oder ist nicht exakt hautfarben, kann es richtig peinlich werden. Besonders, wenn der Gürtel nicht so tief sitzt.

Dann gibt es den Fall, dass der Slip oben aus dem Gürtel herausschaut, oder der BH unten aus dem Bustier herauslugt, oder aber das Bauchnetz, bei dem man den oberen Rand sehen kann. Alle diese Fälle lassen sich durch exaktes Fixieren mittels Druckknöpfe vermeiden (oder wenn keine Zeit ist: mit Sicherheitsnadeln, aber vorsichtig!))

Bei schwierigen und raffiniert (aus-) geschnittenen Kostümen gestaltet sich die Unterwäschefrage schon schwieriger. In diesem Fall ist man mit einem hautfarbenen String-Tanga, evtl.. mit transparenten Bändern, gut beraten. Und wenn gar kein Slip paßt – einnähen und mit Druckknöpfen befestigen kann man immer einen! Wählt man eine solche Minimallösung, sollte man vorsichtig sein, wenn das Publikum etwas unterhalb sitzt (also wenn man auf einer Bühne tanzt). Eine schwungvolle Drehung oder eine Hochwerfen eines Beines kann hier mehr Einblick verschaffen, als einem vielleicht lieb ist.

 

9. Abstehende oder schlecht gepolsterte BHs

Sind Frauen mit größerer Oberweite eher gefährdet, dass die Träger zu lang geraten, so haben Damen mit kleinerer Oberweite oft mit BH´s zu kämpfen, die oben abstehen oder bei denen man die Polster sieht. Dieses Problem macht sich ebenso wie die zu langen Träger dummerweise gerne erst während des Tanzens bemerkbar, wenn man der Situation erstmal hilflos ausgeliefert ist. Man hebt ein paar Mal die Arme und irgendwann, wenn man mal wieder in Richtung Dekolletéschielt, stellt man fest: “Mist, da fehlt was”. Abhilfe: Den BH fester nähen (vor allem bei der Unterbrustweite), Träger kürzen und den BH etwas auspolstern – wobei die Betonung auf ETWAS liegt (wer kennt nicht den hämischen Spruch “Alles was sie hatte, war Watte.”), und die Polster nur im unteren, mittleren und seitlichen Bereich der Cups befinden und sicher befestigt werden sollten. Sonst sieht der obere BH-Rand unnatürlich dick aus oder man sieht das Polster bzw. den Futterstoff. Oder, noch schlimmer: Die Polster entwickeln ein Eigenleben und beginnen zu “wandern”. Und Du möchtest doch nicht, dass die Zuschauer hinter Dein kleines, legitimes Geheimnis kommen, oder? Abhilfe findest Du ebenfalls wieder bei den “Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen”

 

10. Abstehende Gürtel

Dieses Problem trifft oft Tänzerinnen die eher schmal und zierlich gebaut sind, und bei denen der Tanzgürtel bei nicht idealer Paßform dann seitlich oder hinten abstehen kann. Auch Gürtel, die am unteren Rand gut sitzen, stehen am oberen Rand gerne ab. Das sieht dann in etwa so aus, als sei man noch nicht ganz in das Kostüm “reingewachsen”. Abhilfe: Einen Gürtel wählen, der von den Proportionen stimmig ist und über eine gute Paßform verfügt. Ansonsten kann man den Gürtel oben etwas enger machen oder Abnäher setzen. Bei der türkischen Form (spitz zulaufend) haben die Gürtel ebenfalls die Angewohnheit, gerne hinten-unten am Po abzustehen. In diesem Fall kann man die Spitze des Gürtels mit einem dicken Druckknopf am Rock befestigen. Weitere Abhilfe findest Du wieder bei den “Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen”

 

Dies waren nun die zehn Fehler, die man auf häufigsten sieht. Natürlich gibt es noch viele, weitere Fettnäpfchen, und viele andere Dinge sind ganz einfach Geschmacksache (dazu zählen z.B. Stirn- oder Fußschmuck, die die meisten Tänzerinnen schrecklich finden, bei anderen können sie aber wiederum hinreißend aussehen).

Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, wie Du Dein Kostüm abändern kannst, damit es wirklich gut sitzt und welche Kostümform Deiner Figur schmeichelt, möchte ich Dir die weiteren Seiten “Tipps zum Abändern und Umarbeiten von Kostümen” und “Kostümtipps für jede Figur” empfehlen.

 

Text: Djamila