Geschichte und Ursprung des Bauchtanzes

Tanz ist ein Akt der Selbstoffenbarung. So offenbart sich der Tänzer in seiner gesamten Körperlichkeit und präsentiert sich in ausdrucksvollen Bewegungen der Welt. Im Falle des Bauchtanzes handelt es sich dabei vor allem um einen Tanz, bei welchem die Eleganz und Sinnlichkeit der Weiblichkeit voll zum Tragen kommt.

Ein bestimmter etablierter Tanzstil ist aber nicht nur ein spontaner Moment des individuellen Gefühlsausdrucks, sondern lässt auch Rückschlüsse über die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Weltanschauung einer bestimmten Epoche zu. Gleiches gilt dementsprechend auch für den Bauchtanz, welcher auch als orientalischer Tanz bezeichnet wird.

Umso spannender ist es deshalb, die Geschichte und den Ursprung des Bauchtanzes näher zu untersuchen, handelt es sich doch um einen der ältesten Tänze der menschlichen Kultur.

Der Ursprung des Bauchtanzes

Die genaue Bestimmung des Ursprungs des orientalischen Tanzes scheitert an drei Aspekten.

Zunächst einmal handelt es sich hierbei nicht um einen Tanzstil, welcher sich isoliert in einem Kulturkreis entwickelt hat und in der Folge eine weltweite Ausbreitung fand. Stattdessen lassen heutige Funde vermuten, dass in vielerlei Kulturkreisen Formen des Bauchtanzes praktiziert wurden. Genannt werden können an dieser Stelle etwa der Orient, Teile Afrikas, der Mittelmeerraum sowie der Balkan.

Des Weiteren unterliegt die Bestimmung des Ursprungs einem Definitionsproblem. So spielte die Bewegung des Körperzentrums und damit auch des Bauches bei vielen Kulturen im Rahmen von religiösen und gesellschaftlichen Zeremonien eine große Rolle. An dieser Stelle sei auf den anfänglichen Gedanken verwiesen, dass gesellschaftliche Verhältnisse und Weltanschauungen in einer Wechselbeziehung zu derartigen Tanzformen stehen. In vielen frühen Hochkulturen spielten weibliche Gottheiten und deren symbolträchtige Fruchtbarkeit als Garant des Lebens eine zentrale Rolle, etwa die Himmelsgöttin Ishtar aus Babylonien im 5. Jahrtausend v. Chr.. Eben deren Stärke und Bedeutung in den Bereichen Natur und Mensch konnte am besten durch die Frauen der Gesellschaft in sinnlichen Bewegungen zelebriert werden. Dabei ist es heute nicht mehr bestimmbar, inwiefern diese Bewegungen den heutigen Vorstellungen des Bauchtanzes entsprachen.

Eng damit einher geht der dritte Aspekt, dem Faktor der Zeit. Bei der Rekonstruktion der Geschichte können sich Wissenschaftler heute nur noch auf jahrtausendealte Funde verlassen, deren Deutung einen breiten Interpretationsspielraum aufweisen. Der hohe Stellenwert der Weiblichkeit und Fruchtbarkeit lässt sich unter anderem an einer 5600 Jahre alten Figur aus Anatolien erkennen, deren Hüft- und Gesäßbereich überproportional gestaltet und damit betont ist. Gleichzeitig lassen frühe Malereien und Keramikprodukte, etwa aus dem alten Ägypten, auf die frühe Existenz von Tanzformen schließen, welche dem orientalischen Tanz entsprechen.

Die Entdeckung des Orients

Während frühe Zeugnisse nur ein skizzenhaftes Bild der Entwicklung entwerfen, lassen sich ab dem 19. Jahrhundert präzise Belege für die Entwicklung des orientalischen Tanzes finden.

So beschreiben westliche Orientreisende ihre Eindrücke der dortigen Kultur in ausführlichen Reiseberichten und zeigen sich hier beeindruckt von dieser sinnlichen Tanzform, welche in den kirchlich-repressiven Verhältnissen des Abendlandes undenkbar gewesen wäre. Genannt seien hier beispielsweise die Reiseberichte Gustave Flauberts, welcher von öffentlichen Tanzauftritten der Ghawazi berichtet. So bestritten diese ihren Lebensunterhalt durch Tanzauftritte in der Öffentlichkeit, wobei der Bauchtanz bereits in den heute bekannten Gewändern durchgeführt wurde.

Doch auch weitere Reiseberichte und Zeugnisse dieser Zeit lassen erkennen, dass der orientalische Tanz ein fester Bestandteil der Kultur der arabischen Welt war und etwa bei Hochzeiten durch professionelle Tänzerinnen aufgeführt wurde.

Einzug des modernen Bauchtanzes im Westen

Die ägyptische Künstlerin Badia Masabni erschuf mit ihren eindrucksvollen Solotänzen schließlich nicht nur den modernen Bauchtanz, sondern sorgte mit ihren Auftritten auch für hohe Aufmerksamkeit und Nachahmer aus dem Westen.

Der Bauchtanz erhielt hier sein heute bekanntes Bewegungsprofil, welches Schrittfolgen und die typischen Kopf- und Armbewegungen einschließt.

Jedoch sollte es bis in die 60er Jahre dauern, bis sich der Bauchtanz vollends in der westlichen Welt durchsetzen konnte. So wurde der orientalische Tanz nun auch als Aktivität im Sinne des Breitensports verstanden und nicht mehr nur als stereotypische Form exotischer Unterhaltung geschätzt. So wurden in diesem Jahrzehnt die ersten Belly Dance Studios in den USA eröffnet und fanden dankbare Mitglieder, deren Ausbruch aus gesellschaftlichen Konventionen in Auflehnung gegen die konservative Regierung der USA der Nachkriegszeit auch im Bauchtanz Ausdruck fand.

Heute ist der Bauchtanz auch in Deutschland fest etabliert. Während es sich hierbei in den 90er Jahren noch um eine Nischensportart handelte, gehen heutige Schätzungen von rund 60.000 Tänzerinnen aus, welche den orientalischen Tanz in all seiner exotischen Schönheit auch hierzulande betreiben.