Der Begriff “Bauchtanz”

Warum heißt der Tanz “Bauchtanz”? 

Die Entstehung eines Klischee Begriffs

In der arabischen Welt wird der Tanz „Raqs Sharqi“ (‏رقص شرقي‎ ) genannt und bedeutet wörtlich „Tanz des Ostens“ oder „Östlicher Tanz”. Mit diesem Überbegriff sind alle orientalischen Fokloretänze sowie der ägyptische Solotanz gemeint.

Die Bezeichnung “Bauchtanz” ist zwar gebräuchlich aber trifft nicht den Kern der Sache, da ja nicht nur mit dem Bauch getanzt wird. Der korrekte Begriff lautet also „Orientalischer Tanz“.

Er wird vermutlich trotzdem so bezeichnet auf Grund eines Übersetzungsfehlers von westlichen Reisenden im 18.Jahrhundert die „Balady Dance“ (Tanz der Einheimischen) als Belly Dance übersetzt haben oder eine Bezeichnung für ihre Schilderungen des Tanzes kreiert haben.

Die französischen Schriftsteller Émile Zola und Gustave Flaubert verwendeten in ihren Romanen den Begriff „Danse du ventre“ (Bauchtanz) um die im Orient gesehen Tänze zu beschreiben. Im Westen gab es keine Tänze mit isolierten Bauch und Beckenbewegung und daher wurde der Tanz wahrscheinlich auf diese Kurzform reduziert und in Form von „Bellydance“ für die World Messe in Chicago in den Vereinigten Staaten übersetzt.

Bei der Messe konnte konnte man zum ersten man 1893 zum ersten Mal orientalischen Tanz sowie orientalische Musik live miterleben und sie gilt als Angelpunkt für die Verbreitung des Tanzes (Geschichte des Tanzes)

Tänzerinnen bevorzugen „Orientalischer Tanz“

Der umgangssprachliche Begriff „Bauchtanz“ ist irreführend da nicht nur der Bauch bewegt wird, sondern auch Arme, Hände, Beine, Füße, Schultern und der Kopf.

Weiterhin ist er Kollektivum für alle Hüftbetonten Tänze geworden von uninformierten Menschen.

Sex sells oder Bellydance sells

Falsche Assoziationen sind dank Touristen oder Shisha Bar Animationen bei denen sehr viel Haut gezeigt wird um Trinkgeld zu bekommen an der Tagesordnung. Der Ursprung des Tanzes liegt jedoch nicht darin Männer zu verführen und hat daher nichts mit Striptease oder Lapdance zu tun. Die Haremsbilder die Hollywood verbreitet hat sind Fantasien der Produzenten und entsprechen nicht der Wahrheit. Wie auch? Schließlich war ein Harem nur für Frauen und Männer können nur fantasieren wie es dort zuging.

Trotzdem wird versucht mit den Vorurteil Geld zu verdienen und Bücher mit dem Titel „Make Your Husband A Sultan“ oder „Bellydance – A Very Sexy Exercise“ sind weit verbreitet.

Professionelle Tänzerinnen möchten sich abgrenzen und verwenden Begriffe wie „Orientalischer oder Arabischer Tanz“, „Raks Sharki“ „ Midddl Eastern Dance“ oder „Oriental Dance“ um zu vermitteln das der Tanz für Kunst und Kulturgut in gleichen Teilen steht.

Bauchtanz – der Tanz der Hausfrauen

Ein weiteres Klischee ist das man einen Bauch haben muss um zu tanzen und das es nur „gewackel“ ist. Leider wird der Begriff „Hausfrauen“ in diesem Zusammenhang negativ verwendet und dient als Abwertung der Tanzkunst. Diese Vergleiche sind eine ungerechtfertigte Herabsetzung der Tanzkunst und schaden proffesiollen Tänzerinnen die täglich hart trainieren müssen. Auch Filme wie „Die mit dem Bauch tanzt“ zeigen nur das laienhafte Hobbytanzen und nicht den Fitness oder Kunstaspekt.

In einer Probestunde bei ausgebildeten Tänzerinnen können sie sich jederzeit vom Gegenteil überzeugen.

Weitere Bezeichnungen auch außerhalb der arabischen Welt:

  • Raks Sharki oder Raks Sharqi: Orientalischer Tanz in seiner ägyptischen Heimat
  • Raks Baladi ist dabei die volkstümliche, erdige Form
  • Raks Arabi: Die persische Bezeichnung für orientalischen Tanz
  • Tsifteteli: Traditioneller griechischer Bauchtanz. Er wird in Paaren als Gesellschaftanz getanzt
  • Göbek Dansı oder Rakkase : Der türkischer Bauchtanz

Es gibt jedoch auch neue Kreationen und Fusionen, im Newsbereich halten wir euch darüber auf dem Laufenden.