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Wann
und wie bist Du zum OT gekommen?
Getanzt habe ich schon als Kind, Bewegung nach Musik ist aus meinem
Leben nicht wegzudenken. Mit Eifer habe ich viele Sparten des Tanzens
betrieben. Meine Ballettlehrerin hat mich überzeugt, daß
ich mit 25 Jahren nicht zu alt bin, mit Jazztanz zu beginnen. Mein
Trainer und jetziger Mann hat mich motiviert Turniertänzerin
(Standart) zu werden. Als ich meine Laufbahn als Turniertänzerin
schließlich beendete, habe ich mich wieder einer Jazztanzgruppe
angeschlossen. Leider stellte das Studio seinen Betrieb ein und
ein anderes war nicht zu finden. Da siegte meine Neugier, ich stürzte
mich in das "Abenteuer Bauchtanz." Doch schnell siegte
meine Begeisterungsfähigkeit und ich begann meinen Weg als
orientalische Tänzerin.
Hast
Du einen Künstlernamen und wie bist Du dazu gekommen?
Mein Künstlername ist Yasmena. Als mein Mann mir für
meine Auftritte eine Erkennungsmusik aussuchte und mir den Titel
als Namen vorschlug, war ich sofort begeistert. Den Zusatznamen
schlug mir ein türkischer Bekannter vor. Er meinte, ich sei
eine Künstlerin, die zur Unterhaltung ausdrucksstarke tänzerische
Geschichten erzählen könne, da sei der Name "el Sameerah"
(die Übersetzung lautet: "eine, welche in der Nacht Geschichten
erzählt / Unterhaltungskünstlerin)"für mich
die richtige Eränzung.Mehr und mehr fühle ich mich zu
meinem Künstlernamen gehörend, mit meinem wirklichen Namen
"Bärbel" konnte ich mich ohnehin nie identifizieren.
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflußt hat?
Oder hattest Du ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders
geprägt hat?
Bei meinem ersten Engagement auf einer türkischen Hochzeit
sagte mir einer der Gäste, mein Tanz habe ihn in seine Heimat
versetzt, ich habe getanzt, so wie es dort bei einer Hochzeit üblich
ist. Ein ebenfalls anwesender Trommler forderte mich zur Improvisation
auf und es entwickelte sich eine lange tänzerisch-musikalische
Zwiesprache zwischen mir und der Tabla. So habe ich von Beginn an
meine Vorliebe für das freie Tanzen entdeckt, die Möglichkeit,
seine Gefühle mit der Musik zu verbinden und auch die Gäste
mit einzubeziehen haben Vorrang vor choreografierten Tänzen.
Hier fehlt mir der Funke, der überspringt.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen OT?
Zur Zeit realisiere ich mit meinem Mann zusammen unser Tanzstudio.
Dort werde Ich dann den orientalischen Tanz unterrichten. Dabei
wird es mir nicht darum gehen, nur Bewegungen zu lehren, vielmehr
möchte ich versuchen, den Teilnehmerinnen das "Orientalische
Feeling" zu vermitteln. Augenblicklich trainiere ich mit meiner
Tochter allein Tribal Style. Ich hoffe, wir können bald weitere
Tänzerinnen motivieren, mit uns zu tanzen. Außerdem bin
ich in einem Libanesischen Spezialitäten-Restaurant fest engagiert.
Hier kann ich frei tanzen und den direkten Kontakt zum Publikum
genießen.
Denkst Du, dass es im Orientalischen Tanz
neben der Technik und dem Gefühl noch eine weitere, andere
Ebene gibt - wie immer man diese bezeichnen mag?
Wenn ich bedenke, wie alt der orientalische Tanz überhaupt
ist, ergreift mich eine Art Mystik. Es ist selbstverständlich,
daß man die Technik beherrschen sollte, das Gefühl stellt
sich früher oder später ein. In meinem Tanz spiegelt sich
ein Hauch der alten orientalischen Zeiten wieder und ich spüre
mich in einer anderen Welt. Dieses "Feeling" habe ich
in keiner anderen Tanzrichtung erlebt und ist somit für mich
die dritte Ebene neben Technik und Gefühl. Es geht sogar so
weit, daß ich sagen kann, ich habe seit dem einen anderen
Blickwinkel bekommen. In meinem Tanz vereinen sich Demut und Stolz,
sowie das Bewußtsein für unwiederbringliche Begebenheiten.
Glaubst
Du, dass Erotik und Orientalischer Tanz zusammengehören?
Ja, auf jeden Fall, auch wenn es hier manchmal todgeschwiegen wird
oder, was noch schlimmer ist, es den Hauch eines Unanständigen
bekommt. Ich habe die persönliche Erfahrung bei orientalischen
Gästen gemacht, für meine Erotik im Tanz verehrt zu werden
wie eine Göttin. Sie gaben mir das Gefühl, daß Tanz
und Erotik etwas ganz normales sind, was einfach dazu gehört.
Da sind wir in unserer Kultur noch weit von entfernt.
Wie bringst Du Deine Aktivitäten
unter einen Hut?
Meine Mädchen sind sehr selbständig, da werde ich im Haushalt
durch meine Familie entlastet. Außerdem wird das viele "Alleinsein",
das durch meine Workshop- und Ausbildungsabwesenheit zwangsläufig
ist, mit großem Verständnis hingenommen. Bei meinen Auftritten
käme ich ohne die Hilfe meines Mannes nicht zurecht. Er hilft
mir beim Anziehen der Kostüme und sorgt für die richtige
Musik zum richtigen Zeitpunkt. Wir sind eben ein richtiges Team
geworden.
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig, was macht für Dich eine
gute Lehrerin aus?
Gute Grundkenntnisse sind sehr wichtig, zu vergleichen mit dem richtigen
Werkzeug. Nur leider lassen viele Lehrer/innen außer Acht,
daß jede Tänzerin ein Individuum ist und auch so unterrichtet
werden muß. Ich sehe den Menschen mit seiner Psyche als Einheit
und versuche im Unterricht nicht nur Technik sondern auch Selbstbewußtsein
zu vermitteln.
Was für Pläne hast Du für
die Zukunft?
Unser eigenes Studio, die Tanzwerkstatt, weiter auszubauen. Ich
möchte alle Tanzrichtungen unter einem Dach unterrichten, Bauchtanz,
Flamenco, Tribal.... ebenso wie Standard, Latein, alte Tänze,
Mode- und Partytänze.... was natürlich ohne meinen Mann
nicht möglich ist.
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