|
Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Durch meine Mutter als ich Anfang 20 war. Sie war meine erste Lehrerin.
Hast Du einen Künstlernamen und wenn
ja, wie bist Du dazu gekommen?
Eigentlich war es nur ein wohlklingender Phantasiename, erst viel
später erfuhr ich, dass es ihn tatsächlich gibt: Im Persischen
bedeutet er "Stern" und im Arabischen "weich, fließend".
Passt doch, oder?
Gibt es jemanden, der Dich besonders beeinflußt
hat? Oder hattest Du ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders
geprägt hat?
Natürlich meine Mutter, die mich immer ein bißchen in
Richtung Tanz geschubst hat; Shahrazad, die ein Vorbild war; und
Art Reade, ein indianischer Lehrer der mir den Mut gegeben hat,
mich als Tanzlehrerin selbständig zu machen.
Was
bedeutet der orientalische Tanz für Dich?
Viel! Freude schenken, den Menschen etwas geben. Mich selbst ins
Gleichgewicht bringen. Anerkennung bekommen. Kreativ sein können,
das alles hat schon viel mit Glück zu tun.
Was sind Deine Aktivitäten in Sachen
orientalischer Tanz?
Ich gebe Kurse und Workshops, veranstalte orientalische Tanzshows
und tanze auf allen möglichen Festivitäten. (Nicht nur
klassisch, sondern auch themenbezogen: Mittelalter- oder Geistershow)
Glaubst Du, dass der Tanz Dich in Deiner
persönlichen Entwicklung beeinflusst hat?
Ja, er hat mich selbstbewußter und weiblicher gemacht.
Glaubst
Du, dass orientalischer Tanz und Erotik zusammengehören?
Auf jeden Fall! Erotik ist etwas Wunderbares, für mich ist
es ein Spiel mit Energien, weibliche Kraft und Lebendigkeit. Meiner
Meinung nach wäre die ganze Welt gesünder, wenn Sexualität
und Erotik nicht so verteufelt würden. Ich bin mir auch sicher,
dass es mal Zeiten gegeben hat, wo das anders war, bevor es das
Christentum und den Islam gegeben hat.
Was hältst Du von Authentizität,
Phantasie und Weiterentwicklung und Kreativität im orientalischen
Tanz?
Authentisch sollte man als Person sein, übrigens nicht
nur im Tanz. Ich finde, was im Tanz ausgedrückt wird, sind
verschiedene Anteile unserer Seele. Ich spiele keine Rolle, sondern
verbinde mich im Tanz mit meinem Selbst. Das berührt dann auch
(unbewußt) die Seele der Zuschauer. Sicher sollte man verschiedene
Tanzstile kennen und unterscheiden können, bevor man sie mischt,
so wie auch ein Maler oder Bildhauer erst verschiedene Techniken
lernt, bevor er seinen eigenen Stil findet. Aber dann darf und muß
man auch kreativ sein und etwas Eigenes, Neues entwickeln.
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig? Was macht für Dich eine/n
gute/n Lehrer/in aus?
Eine gute Lehrerin kann sich in die Lage der Schüler hinein
versetzen, sie hat Geduld und Mitgefühl. Sie gibt jeder Schülerin
das, was diese braucht (die einen wollen gefordert werden, die anderen
brauchen Erklärungen, Spaß haben wollen alle..) Außerdem
baut sie ihren Unterricht in logischen Schritten aufeinander auf,
entwickelt Übungen, die die Schüler langsam an das zu
Lernende heranführen. Andersherum gesagt: Die schlechteste
Lehrerin ist, die, die sich einfach vor den Spiegel stellt und vortanzt,
ohne zu erklären. So unterscheidet man Laien von Lehrerinnen
mit Ausbildung. Eine gute Lehrerin sollte auch eine tänzerische
Vorbildung (Ballettunterricht) gehabt haben. Wichtig ist aber auch
das Gemeinsamkeitsgefühl unter Frauen zu stärken, sich
gegenseitig unterstützen und zusammen lachen.
Was
machst Du lieber - tanzen bzw. auftreten oder unterrichten?
Ich mache alles gleich gerne! Gerade das Vielseitige ist es, was
ich an diesem Beruf so mag. Auch die Büroarbeit, Werbung, mach
ich alles selbst, bin sozusagen ein Eine-Frau-Betrieb.
Wie steht Deine Familie zum orientalischen
Tanz und zu Deinen Aktivitäten?
Meine Familie unterstützt mich sehr! Mein Mann ist stolz auf
mich, schließlich war ich schon Tänzerin, als wir uns
kennen lernten. Die Kinder wissen, daß sie manchmal die Mama
in Ruhe lassen müssen, denn ich arbeite viel zu Hause. Manchmal
beklagen sie sich, wenn ich zu viel unterwegs bin. Aber letztlich
wissen alle: Nur eine glückliche Mutter/Ehefrau ist eine gute
Mutter/Ehefrau!
|