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Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Der orientalische Tanz hat eigentlich eher immer wieder versucht
zu mir zu kommen. Als ich 18 Jahre alt wurde, war er dann endgültig
erfolgreich und ich belegte meinen ersten Bauchtanzkurs.
Hast Du einen Künstlernamen und wenn
ja, wie bist Du dazu gekommen?
Ursprüglich war mein Künstlername Shirin. Der Klang
dieses Namens gefiel mir gut, über die Bedeutung machte ich
mir damals keine Gedanken. Später erfuhr ich dann, dass dieser
Name so viel wie Süßigkeit bedeutet und somit prima zu
mir und meiner Schokoladen-Sucht passt. Da es mittlerweile "Shirin"'s
wie Sand am Meer gibt, habe ich vor einigen Jahren mein Shirin auf
Shirina-Reé erweitert.
Gibt es jemanden, der Dich besonders beeinflußt
hat? Oder hattest
Du ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Meine große Schwester heiratete einen Orientalen. Damals war
ich noch sehr jung und verschwendete keinen Gedanken an Bauchtanz.
Jedoch bekam ich dadurch schon früh viel von der orientalischen
Kultur und Musik mit. Viele Jahre später nahm meine Schwester
an einem Bauchtanzkurs teil. Ich bewunderte was sie dort lernte
und wusste: Das muß ich auch lernen!

Was bedeutet der orientalische Tanz für Dich?
Der Orientalische Tanz motiviert mich immer aufs Neue mich mit mir
selbst auseinanderzusetzen, Dinge zu hinterfragen, beweglich zu
bleiben, abzuschalten und auch mal die "5 gerade sein zu lassen".
Glaubst
Du, dass orientalischer Tanz und Erotik zusammengehören?
Ja, natürlich. Alle Facetten des Empfindens werden durch
den Orientalischen Tanz ausgedrückt, und da gehört die
Erotik auch dazu.
Ausschlaggebend sind die Art und Weise, wie die Tänzerin selbst
Erotik empfindet und darstellen kann und wohl auch der jeweilige
Geschmack des Publikums.
Hast bzw. hattest Du ein Vorbild oder
eine Person, die Du bewunderst?
Es sind eher Wesenszüge als Tanztechniken, die ich an Menschen
bewundere und als Vorbild für mich und meinen eigenen tänzerischen
Ausdruck ansehe. Und da muß ich auch gar nicht weit weg blicken,
denn meine größten Wesens-Vorbilder befinden sich glücklicherweise
in meinem engsten Familien- und Freundeskreis.
Was
ist Dir im Tanz wichtig (Technik, Gefühl, Ausstrahlung), was
möchtest Du mit Deinem Tanz "rüberbringen"?
Da ich versuche meine Tänze "aus dem Bauch heraus"
zu tanzen, hat die Improvisation für mich einen hohen Stellenwert.
Um raffinierte Musikstellen effektvoll umzusetzen baue ich allerdings
auch choreographierte Teilstücke ein.
Technik und Choreographie sind sehr wichtig, stehen bei mir aber
an zweiter Stelle. Vordergründig ist mir viel daran gelegen,
mein Publikum an dem Glücksgefühl das Tanz und Musik in
mir entstehen lassen, teilhaben zu lassen. Solche glücklichen
Momente empfinde ich wie ein Verschmelzen von Musik, Publikum und
mir selbst zu einer Einheit die dann gemeinsam die Facetten des
Tanzes durchlebt: Lebensfreude, Erotik, Qual, Trauer, Kokettieren
... Und ich finde, dazu gehört auch das Lampenfieber! Ich hatte
einmal gar kein Lampenfieber und möchte dieses Gefühl
des Gelangweiltseins und der Gleichgültigkeit vor einem Auftritt
eigentlich nicht mehr unbedingt erleben. Tja, und wenn das Publikum
dann am Ende ähnlich geschafft ist wie ich, dann weiß
ich, dass ich was "rüberbringen" konnte.
Wenig anfangen kann ich persönlich übrigens mit Stil-Mixturen
(auch über den Bauchtanz hinaus). Sei es nun "verjazzter"
Flamenco, Popmusik, dargeboten im Stile klassischer europäischer
Musik, oder eben auch "fremde Elemente" im Orientalischen
Tanz. Ich empfinde bei diesen Mixturen nicht mehr das Maß
an Intensität wie beim Original. Aber wie gesagt, das ist mein
ganz persönlicher Eindruck.
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig? Was macht für Dich eine/n
gute/n Lehrer/in aus?
Zu diesem Thema möchte ich Khalil Gibran zitieren: "Kein
Mensch kann Euch irgend etwas enthüllen, außer dem, was
schon in der Morgendämmerung Eures Bewußtseins schlummert."
Ein guter Lehrer weiß darum, und versteht das "Schlummernde"
in seinen Schülern zu wecken, mit Geduld, Einfühlungsvermögen
und Respekt.
Welchen Ratschlag würdest Du einer
Schülerin oder Tänzerin, die am Beginn ihrer Laufbahn
steht, mit auf den Weg geben?
Sharazad ermahnte uns mal in einem Workshop, darauf zu achten, mit
was wir unsere Wahrnehmung "füttern". Schönes,
edles "Futter" formt einen edlen Geist (und das bildet
sich irgendwann im eignen Tanz ab), fördert die Kreativität
und hebt den eigenen Leistungsanspruch. Diesen Rat versuche ich
noch immer zu befolgen und gebe ihn gerne an meine Schüler
weiter.
Weiterhin würde ich einer Schülerin raten, Ihren Tanz
nicht unter Preis zu verkaufen, und auch dann erst aufzutreten,
wenn das Niveau Ihres Tanzes der geforderten Gage gerecht ist.
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