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Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
In
meiner Kindheit schon hatte ich eine lebhafte Phantasie rund
um den Orient, Indien und auch den Orientalischen Tanz. Also
belegte ich mit 15 meinen ersten VHS Kurs, der ein absoluter
Reinfall war. Ich fand daraufhin eine orientalische Tanzschule
und meine Lehrerin machte mich nach einiger Zeit zu einem Ensemblemitglied
dem Nesthäkchen der Gruppe. Nach einigen Jahren in dieser
Gruppe trennte ich mich schließlich von ihr und ging meinen
eigenen Weg um auch andere Dozentinnen und Tänzerinnen kennen
zu lernen.
Hast
Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Eigentlich habe ich nicht viel mit meiner Namensgebung zu
tun. Vor vielen Jahren habe ich mal mit einer Band (Melodic-Rock)
zusammengearbeitet, die zwei orientalische Lieder in ihrem Repertoire
hatten, zu denen ich tanzte. Von ihnen habe ich meinen Namen
erhalten, da eines Tages Flyer gedruckt werden sollten und alle
Mitglieder mit Künstlername aufgeführt werden sollten. Ich hatte
aber keinen und konnte mich auch überhaupt nicht entscheiden
(noch eine meiner schlechten Eigenschaften). Also gab mir einer
den Namen Narajana ohne so richtig zu wissen was er eigentlich
für eine Bedeutung hat. Ich behielt den Namen, habe mich aber
im Nachhinein darüber geärgert, weil er zu lang ist und ihn
kaum einer aussprechen kann. Dann werden immer so Sachen wie
Naranja oder ähnliches angesagt. Aber jetzt ist es einfach zu
spät um meinen Namen zu ändern und eigentlich habe ich mich
auch schon längst daran gewöhnt.Narajana mit y geschrieben bedeutet:
Eine Erscheinungsform des indischen Gottes Vishnu, der als Schöpfer
auf der Weltenschlange Sheesha liegt.
Gibt
es jemanden, der dich besonders beeinflußt hat? Oder hattest
Du ein Schlüsselerlebnis, das dich besonders geprägt hat?
Beeinflußt in meiner Tanzphilosophie hat mich vor allem
meine Lehrerin Saadet, die mir von Anfang an eine ästhetische
nicht auf Erotik und Sex reduzierte Tanzkunst vermittelte, wie
ich es schon so oft von Laien gesehen.
Besonders geprägt hat mich außerdem das Erlernen des
Indischen Bharat Natyam bei meiner Indischen Tanzlehrerin Indira
Kadambi in Madras, Indien. Durch mehrere Aufenthalte dort, habe
ich diesen schwierigen Tanz mit all seinen Feinheiten kennen
lernen dürfen. Übertragen auf andere Tänze profitiere ich vor
allem von der Genauigkeit und Professionalität sowie dem komplexen
Ausdruck mit all seinen Hintergründen. Neben dem indischen Tanz
beeinflußt mich auch der Flamenco, den ich seit einigen Jahren
tanze. Auch er gibt mir Kraft, Anregungen sowie eine gute Haltung,
die meinem orientalischem Tanz bereichern.
Was
sind deine Aktivitäten in Sachen Oriental. Tanz?
Also zunächst einmal unterrichte ich Orientalischen
Tanz sowie Tribal Style in zwei verschiedenen interkulturellen
Institutionen in Moers. Dann mache ich noch jede Menge Auftritte
auf privaten und öffentlichen Festlichkeiten sowie in Restaurants.
Weiterhin arbeite ich experimentell mit anderen Künstlern wie
Bands, Trance DJ`s , Kulturveranstaltern, Flamencotänzerin zusammen.
Was
ist dir im Tanz wichtig (Technik, Gefühl, Ausstrahlung)? Was
möchtest du mit deinem Tanz rüberbringen?
Wenn ich vor Publikum tanze ist es mir wichtig den
Tanz als Kunst zu präsentieren. Da ich meistens vor Laienpublikum
tanze, und weniger vor Fachpublikum, möchte ich den gängigen
Vorurteilen und
oberflächigen Bildern über o. Tänzerinnen durch ein seriöses
Programm entgegenwirken. Dabei ist es mir wichtig ein tänzerisch
anspruchsvolles Programm, daß von Herzen kommt zu bieten. Die
Ästhetik des Tanzes und weniger die Authentizität
habe ich mir dabei besonders auf die Fahne geschrieben.
Glaubst
Du, daß oT und Erotik zusammen gehören?
Mit der erotischen Dimension des oT habe ich so meine
Probleme, da ich eigentlich keine erotische Wirkung auf mein
Publikum haben möchte. Die Körperlichkeit des Tanzes muß nicht
zwangsläufig mit Erotik, bzw. der vergeistigten Form des Geschlechtlichen
in Verbindung gebracht werden. Mit dieser Meinung wiederspreche
ich wohl dem gängigen Bild des orientalischen Tanzes, beziehungsweise
kommt es darauf an welche Definition des Wortes Erotik der Betrachtung
zu Grunde liegt. Weiterhin denke ich, daß gerade die orientalischen
Tänze, eine solch große Anziehungskraft besitzen, weil sie durch
die Erfahrung des Fremden, die Normen und Zwänge des eigenen
kulturellen Körpers aufbrechen. Durch das Erlernen solcher Tänze
werden nicht nur fremde Kulturen und Körperweisheiten, sondern
zugleich auch eigene Disziplinierungen und Blockierungen spürbar.
Hierbei ist zu bedenken, daß bei aller Selbsterfahrung durch
den Tanz, diese Kunst nicht nur zum Tanz um das eigene Selbst
bzw. zum Vehikel eines falsch verstandenen Narzißmus degeneriert
werden sollte. Es ist die Frage, ob die Lust am Tanzen einem
wahren Bedürfnis entspringt, oder eher aus dem medienträchtig
geförderten Kult um Körperlichkeit, Schönheit und vor allem
Erotik.
Hast
du ein Vorbild oder eine Person, die Du bewunderst?
Ich war letztes Jahr zwecks Fortbildung 1 ½ Monate in San
Francisco und habe täglich Unterricht bei Caroleena Nerichio
genommen. Es war super!!!! Auch ich bin im sogenannten Tribal
Fieber. Carolena hat mich in ganz besonderem Masse fasziniert,
motiviert und mich angeregt neue Dinge auszuprobieren. Sie ist
eine wundervolle Tänzerin, die einen Stil entwickelt hat der
im Grunde so einfach aber doch so kompliziert ist. Damit meine
ich, daß Tribal weitaus mehr ist als nur ein Gruppentanz, der
improvisiert getanzt wird und der allen viel Spaß und demokratisches
Tanzfeeling verleiht. Die Tanztechnik, die Fat Chance Belly
Dance unterrichtet ist sehr anspruchsvoll und erfordert exakte
Genauigkeit. Ich habe alle Klassen von Anfänger bis Fortgeschritten
besucht und es ist nicht einmal langweilig oder unterfordernd
gewesen, was hier in Deutschland oftmals der Fall ist. Ich denke
auch, daß es bei Fat Chance Belly Dance nicht nur in erster
Linie auf das Gruppengeschehen ankommt, sondern ganz besonders
auch auf die perfekten Bewegungen und die perfekte Haltung einer
jeden Tänzerin. Trotz all der Perfektionalität, wer sie einmal
beherrscht, ist in der Lage sich dem Gruppengeschehen und dem
Tanzfeeling hinzugeben. Hinzu kommt der erhabene, stolze Ausdruck
der diesem Tanz eine besondere Seriosität verleiht, die auch
der Zuschauer spürt.
Was
hältst Du von Authentizität und Phantasie von Tradition und
Weiterentwicklung im OT?
Also zunächst einmal glaube ich, daß jeder Tanz zu
jeder Zeit und in jeder Gesellschaft weiterentwickelt werden
muß um zu leben. Somit denke ich, durchläuft auch der oT hier
in Deutschland, in unserer Gesellschaft eine andere Entwicklung
als beispielsweise im Orient. Sicherlich gibt es viele Tänzerinnen
die sich bemühen eine authentische Form des OT zu präsentieren,
die jedoch meines Erachtens immer auch von unserer Gesellschaft,
unseren Normen, unserem Kunstverständnis und den Bedürfnissen
des deutschen Publikums geprägt ist. Dazu gehört gerade die
in unserer europäischen Gesellschaft so typische Formalisierung
und Technisierung des Tanzes. In Bezug auf die Weiterentwicklung
des oT habe ich so meine Bedenken, die darauf hinauslaufen,
daß alles Mögliche in irgendeiner Form gemixt, kombiniert und
verbunden wird. Ich denke hier beispielsweise an: Afro-Oriental,
Arabic-Flamenco, Indisch-Orientalisch, Latino-Oriental, und
so weiter. Im Prinzip ist dagegen nichts einzuwenden, wenn die
Künstlerin oder der Künstler sich in beiden Richtungen der Kombination
einigermaßen auskennt. Oftmals habe ich jedoch daß Gefühl, daß
manche Kombinationen nur der Repertoireerweiterung dienen, und
amateurhaft verschiedene anspruchsvolle Tänze verwurstet werden.
In jedem Tanz steckt meiner Meinung nach ein Geist, der durch
intensives Auseinandersetzen mit dem Tanz, der Musik und dem
Gesang erfahren werden kann. Eine gelungene Kombination lebt
durch die Existenz beider Geister.
Dein
Motto: Ich esse nichts was Augen hat!
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