Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Bis 1986 habe ich verschiedene Tanzarten ausprobiert.
Über die standard- und lateinamerikanischen Tänze kam ich zum
Rock`n Roll und schließlich zum Gardetanz. In dieser Zeit gewannen
wir übrigens zwei Mal die Deutsche Meisterschaft im Schautanz.
Jedenfalls kam in diese Gruppe eine Frau hinzu, die orientalischen
Tanz unterrichtete und als wir sie baten uns mal vorzutanzen,
war ich so fasziniert, daß ich das unbedingt lernen wollte. Sie
war natürlich auch meine erste Lehrerin.
Hast
Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Mein Künstlername ist Naima,
was soviel bedeutet wie weich oder zart. Jahrelang hatte ich
es abgelehnt, mir einen Künstlernamen zuzulegen, da ich es schon
leid war, meinen richtigen Namen ständig erklären zu müssen.
Aber in einem Workshop nannte mich Mustapha El Oueslati einfach
Naima und hat ihn mir sozusagen verpasst. Da mir der Name gefiel,
habe ich ihn behalten. Ich finde es schön, daß er mit einer
kleinen Geschichte verbunden ist.
Gibt es jemanden, der Dich besonders
beeinflusst hat?
Nein, ich gehe lieber meinen eigenen Weg und versuche aus Erfahrungen
und Fehlern zu lernen.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Seit 1995 unterrichte ich in Kursen und Workshops, was
mir sehr viel Spaß macht. Mit meiner Gruppe El Kahirah habe
ich bisher drei erfolgreiche Shows auf die Beine gestellt. Alles
weitere lasse ich einfach auf mich zukommen.
Wie
würdest Du Deinen Tanzstil beschreiben?
Auch wenn ich mich am Vorbild
des klassisch orientalischen Tanzes orientiere, da mir dieser
Stil am Besten gefällt, wollte ich nie genauso tanzen wie irgendeine
bestimmte Tänzerin. Im
Laufe der Zeit habe ich meinen eigenen Stil gefunden (beschreiben
würde ich ihn als weich und elegant, aber auch als temperamentvoll)
und hoffe trotzdem, in keine Schublade gesteckt zu werden, denn
ich brauche Freiraum für eigene Ideen.
Wie bringst Du Deine Aktivitäten unter
einen Hut?
Das frage ich mich auch oft. Wenn man den ganzen Tag arbeiten
geht, muß man sich die Zeit für`s Tanzen häufig stehlen. Ich
habe gelernt, Prioritäten zu setzen und konsequent zu sein.
Hast
Du Lampenfieber und was tust Du dagegen?
Früher hatte ich ganz furchtbares Lampenfieber und oft
das Gefühl, daß es immer schlimmer anstatt besser wird. Aber
zum Glück hat es zumindest bei kleineren Auftritten nachgelassen.
Bei größeren Shows wird mir vorher immer noch übel. Nach den
ersten Schritten ist es dann aber vorbei.
Was
machst Du lieber - tanzen bzw. auftreten
oder unterrichten?
Kann ich so einfach nicht beantworten. Die Auftritte machen
sehr viel Spaß und ich mag den Kontakt zum Publikum. Man erlebt
eine Menge und lernt interessante Menschen kennen. Aber auch
der Unterricht ist eine Bereicherung. Die unterschiedlichen
Persönlichkeiten und vor allem die Freundschaften die entstehen,
sind für mich etwas ganz Besonderes. Nur aufzutreten
oder ausschließlich zu unterrichten wäre nichts für mich. Mir
ist ein ausgewogenes Gleichgewicht unheimlich wichtig.
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig, was macht für Dich eine
gute Lehrerin
aus?
Ich möchte, daß mein Unterricht in erster Linie Spaß macht und
daß meine Frauen viel von mir lernen. Daher habe ich den Anspruch
an mich, immer vorbereitet in den Unterricht zu kommen, aber
trotzdem muß genug Freiraum für Ideen und Vorschläge aus dem
Kurs bleiben. Es ist für mich außerdem von Bedeutung, daß ich
meine Frauen auch menschlich näher kennenlerne. Das macht es
einfacher, auf Ziele und Wünsche einzugehen, damit niemand über-
oder unterfordert wird.
Manchmal gleicht es einer Art Gratwanderung, denn man kann es
nie allen Recht machen. Man sollte aber den Mut haben, ehrlich
seine Meinung zu sagen und Situationen auszudiskutieren. Vor
allen Dingen sollten Schülerinnen und auch Lehrerinnen bereit
sein, Kompromisse einzugehen.
Dein Motto?
Wer kämpft kann verlieren.Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
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