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Wann
und wie bist Du zum OT gekommen?
Ich probierte nach der Geburt meines zweiten Sohnes
allerlei Sportarten, darunter auch OT, das war dann auch gleichzeitig
mein Schlüsselerlebnis. In der ersten Unterrichtsstunde (ich
ging gleich in einen Fortgeschrittenenkurs, da der Anfängerkurs
nicht zustande kam) machte es „Klick“, die Musik von George
Abdou traf mich mitten ins Herz. Ich konnte sofort alle Bewegungen
machen, die die Lehrerin vormachte. Da ich seit meiner Kindheit
Sport trieb, Turnen und Leichtathletik, hatte ich eine gute
Körperbeherrschung und feurige Rhythmen und Tänze begeisterten
mich schon immer. Als Kind lebte ich längere Zeit in Kolumbien
und Libyen, da mein Vater dort arbeitete. Das Interesse an Kunst
und Kultur wurde in meiner Familie immer groß geschrieben, sowie
den Respekt davor, denn wo wir lebten, waren wir die Ausländer.
Hast
Du einen Künstlernamen und wie bist Du dazu gekommen?
Vor ca. 10 Jahren tanzte ich auf einer Kulturveranstaltung
für die Türkei. Die zuschauenden Türken sagten nach meinem Auftritt,
es hätte früher in der Türkei eine Tänzerin gegeben, diese hieß
Leyla und ich würde tanzen wie sie und ab sofort würden sie
mich „Leyla“ nennen, das fand ich o.k. Den Namen „Nahrawess“
erhielt ich vom gleichnamigen Hotel in Hammamet/Tunesien, wo
ich seit 1994 tanze und unterrichte. Im Sommer 1996 nach einer
Show kam Madame Bouslama, die Frau des Hotelbesitzers auf mich
zu und meinte: now you are „Leyla Nahrawess“. Und ich antwortete:
why not! Der Name Nahrawess hat in Tunesien eine schöne Bedeutung,
es gab ein Liebespaar namens Nahrawess und Salambo. Die Geschichte
ist ähnlich, wie die von Leyla und Meschnun.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen OT?
Ich gebe regelmäßige Kurse, sowie Workshops in ganz Deutschland
und im Ausland, hauptsächlich in der Türkei und in Tunesien,
wo ich schon seit 1994 dauerengagiert bin. Seit diesem Jahr
bilde ich Dozentinnen für Anfängerkurse aus, mit den Schwerpunkten
– Medizinisch / Therapeutisch / Psychologisch, sowie Didaktik,
da meiner Meinung nach hier die Hauptverantwortung der Lehrerin
liegt und ich eigentlich davon ausgehe, dass eine Frau, die
OT unterrichten will eine hinreichende tänzerische Ausbildung
aufzuweisen hat.
Wie
motivierst Du Dich,
woher nimmst Du Deine Anregungen, Ideen?
Motivation habe ich genügend einerseits von meinem Publikum
andererseits von meinen Schülerinnen und Workshop-Teilnehmerinnen.
Ich nehme meine Arbeit sehr ernst und bin darauf bedacht immer
die professionelle Leistung zu bringen, die man von mir erwartet.
Dazu gehört einen Saal voller Zuschauer zum Toben zu bringen und ihnen zu
geben, was sie sehen wollen, genauso wie die Frauen im Unterricht
so zu faszinieren, dass sie bis zur letzten Minute den Stoff
aufmerksam aufnehmen und verarbeiten.
Die
Ideen zu Choreographien und Shows „überfallen“ mich regelrecht,
allerdings bezogen auf die Musik. Höre ich ein Musikstück, bei
dem mein Herz anfängt zu pochen, ist auch im Geiste die Choreographie
schon da und ich brauche sie nur noch aufzuschreiben. Auf diese
Art habe ich schon mindestens 100 Choreographien aller Art gemacht.
Manchmal geht es aber umgekehrt, nämlich dass ich eine Choreographie
im Kopf habe und die passende Musik dazu suchen muss, was ungleich
schwieriger ist.
Tanzt
Du eher choreographiert oder lieber frei?
So präzise ich Choreographien für Gruppen oder Solotänzerinnen
mache, so frei tanze ich selbst. Ich habe nie solo Choreographie
getanzt, sondern immer „frei Schnauze“. Ich bin ein sehr emotioneller
Mensch und nehme die Energien des Publikums auf, das ist mein
„Strom“. Man sagt mir ja nach, ich würde tanzen, als hätte ich
den Finger in der Steckdose.
Was
machst Du lieber tanzen bzw. auftreten, oder unterrichten?
Ich mache beides gleich gerne. So leidenschaftlich wie ich
tanze, unterrichte ich auch. Die Erfahrungen, die ich als Tänzerin
sammle, gebe ich in vollem Umfang an meine Schülerinnen weiter,
die ich auch coache, wenn eine beginnt aufzutreten. Hierfür
habe ich die Orient Disco im La Pyramide in Heilbronn ins Leben
gerufen, damit Tänzerinnen die Möglichkeit haben mit meiner
Unterstützung professionell vor Publikum zu treten. Wenn meine
Gruppen oder Solistinnen erfolgreich aufgetreten sind, bin ich
überaus stolz und das ist für mich ein großartiges Gefühl.
Was
war das schönste, oder amüsanteste Erlebnis Deiner bisherigen
Laufbahn?
Ich hatte bisher unzählige schöne und auch amüsante Erlebnisse,
viele auch in Istanbul im Orient House, wo ich ein paar Mal
im Jahr auftrete und ich jedes Mal Menschen aus aller Welt kennen
lerne, genauso wie bei meinen zahlreichen Auftritten im Sommer
und im Winter in Hammamet, wo ich schon viele Leute aus Kultur
und Politik, wie z.B. den Wirtschaftsminister und den Gesundheitsminister
kennen lernte. Ein herausragendes Erlebnis war sicher die Privatvorführung
für die Präsidentengattin von Tunesien – Wassila Bourguiba und
ihren Damen. Sie hat sich sehr über meinen Auftritt gefreut,
den sie sich extra am Nachmittag gewünscht hatte. Selten habe
ich eine derart charismatische Frau getroffen. Leider ist sie
ein Jahr darauf verstorben.
Dein Motto?
Lob bekommst Du geschenkt, Neid musst Du Dir
verdienen! |