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Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Vor über 14 Jahren hat mit ein Fersehauftritt einer orientalischen
Tänzerin sehr beeindruckt und ich entschloß mich, sofort
diesen wunderbaren Tanz zu erlernen. Zunächst in Deutschland
und dann auch im Ausland (Ägypten) bei berühmten Choreographen.
Danach folgte jahrelange Forschungsarbeit in Sachen Tanzstile in
Ägypten, der Türkei und einem großen Teil der arabischen
und asiatischen Welt sowie Rhythmus- und Musikkunde.
Hast Du einen Künstlernamen und wenn
ja, wie bist Du dazu gekommen?
Ja, Leyla Jouvana, Leyla ist mein jugoslawischer Zweitname, Jouvana
ist eine Abwandlung meines Mädchennamens "Jovanovic"
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflusst hat? Oder hattest Du
ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Dietlinde Karkutli habe ich immer sehr für Ihre Arbeit in Deutschland
geschätzt. Ich habe ihre Organisation und die Bewegung, die
sie nach Deutschland gebracht hat, sehr bewundert.
Was sind Deine Aktivitäten in Sachen
orientalischer Tanz?
Das eigene Tanzstudio, weltweite Tourneen, Auftritte und Workshops,
jährlich zum 1.Advent unser eigenes Orientalisches Tanzfestival
Europas.
Was magst Du am orientalischen Tanz besonders?
Die individuelle Entfaltungsmöglichkeit
Was hältst Du von Authentizität
und Phantasie, von Tradition und Weiterentwicklung im o.T.?
Ich tanze gerne beides. Mit Authentizität meinen viele den
ägyptischen Tanzstil. Ja, wenn die Musik ägyptisch ist,
tanze ich ägyptisch. Selbst die ägyptische Musik ist voll
von Einflüssen aus dem Spanischen, Lateinamerikanischen, etc,
da ist es ja wohl nur "authentisch", wenn man dann diese
Tanzstile mit hinein bringt. Die Musik sollte uns leiten.
Der berühmte arabische Musiker Mohamed Abdel Wahab z. B. ist
in den Westen gegangen, um westliche Musik zu studieren, seine "zutiefst
ägyptische/arabische Musik" beinhaltet westliche Rhythmen
wie Samba, Rumba, Walzer, etc.
Über
das Authentische streiten sich viele, die Ägypter sind sich
sicher, dass sie der Ursprung sind für den Orientalischen Tanz,
die Türken allerdings auch. Ich glaube fest daran, dass die
Frau der Ursprung ist für den Tanz überhaupt, religiöse
und rituelle Geburtsstänze, Fruchtbarkeitstänze. Die Frau
wurde wie eine Göttin verehrt, da sie die Geheimnisse der Natur
und der Entstehung des Lebens in sich barg. In ihrem Unterleib,
in ihrem Becken. Von daher ist der Begriff "Bauchtanz"
auch gar nicht mal so verkehrt, er sagt viel mehr aus als nur "orientalischer
Tanz". Meine Meinung: authentisch ist der, der seine (europäsiche
oder arabische) Seele im Tanz ausleben kann. Wir in Europa können
niemals ägyptisch tanzen, denn wir haben ein ganz anderes Publikum.
Eine anspruchsvolle Konsumgesellschaft, die bei jedem Auftritt ein
anderes Kostüm und einen anderen Tanz sehen möchte, abwechslungsreiche
Technik natürlich mit Ausstrahlung und Gefühl verbunden.
Unsere Schritte sind ägyptisch, aber der Stil sprich die "Verpackung"
kann nur europäisch sein, denn wir sind Europäer. Dies
sollten wir nicht verneinen, denn sonst verneinen wir uns selbst.
Damit wären wir nur eine Kopie des Ägyptischen. Ich will
nicht urteilen, dass das eine (europäisch oder ägyptisch)
schlecht oder das andere gut ist, sondern sagen, "ich bin für
Authentizität, nämlich der Auslebung des eigenen Ichs."
Mit traditionellen ägyptischen Tänzen habe ich angefangen,
aber dies reicht mir mittlerweile nicht mehr. Der Orient umfaßt
sehr viele Länder in Afrika, Asien und einige Gebiete in Europa.
Der Tanz lebt nur mit der Weiterentwicklung.
Glaubst
Du, dass orientalischer Tanz und Erotik zusammengehören?
Unbedingt. Wir definieren Erotik als etwas Anziehendes. Als erotisch
gelten Frauen, die besonders weiblich sind und Männer, die
sehr männlich sind. Der Orient. Tanz ist der weiblichste aller
Tänze und deshalb wird der öffentliche Orient. Tanz in
einigen arabischen/asiatischen Ländern verboten, da man beides
als etwas Schlechtes ansieht.
Wir als Frau sollten uns aber unserer Erotik bewußt werden
und einsehen, daß Erotik nichts schlechtes ist. Es ist uns
von Gott gegeben, also kann es nichts Schlechtes sein. Gott macht
keine Fehler. Schlecht ist der, der Schlechtes denkt und es kommt
immer auf unsere Absichten an. Haben wir Reines im Sinn und bringen
durch unseren Tanz den Menschen Freude, so kann es nichts Schlechtes
sein. Um seine Weiblichkeit zu akzeptieren, sie durch den Tanz ausleben
zu können, sollten wir das Wort Selbstliebe verinnerlichen.
Was wünschst Du Dir für den
orientalischen Tanz in Deutschland?
Mehr Miteinander als Gegeneinander.
Was für Pläne hast Du für
die Zukunft?
Wir bereiten uns auf unsere nächste USA Tournee vor.
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