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Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Wie viele wissen, bin ich Kurdin und in der Türkei geboren
und mit der orientalischen Musik und dem orientalischen Tanz großgeworden.
(Ich komme aus Tunceli - im Südosten der Türkei). Wir
hatten bereits als Grundschüler die Möglichkeit in der
Schule als Fach "Folkloretänze" ab der 1.Klasse zu
wählen, was ich auch getan habe. Später dann, als unser
Vater (er war Gastarbeiter hier in Deutschland) uns nach Deutschland
geholt hatte, bin ich kurz nach meiner Ankunft auf eine Frau gestoßen,
die Orientalischen Tanz unterrichtete und einen Großteil der
damaligen Szene gekannt hat. Ich habe mich ihrer Gruppe angeschlossen
und Unterricht genommen. Sie (Helga Wanders) war eine der ersten
Bauchtänzerinnen in Deutschland- sie hatte ihr Wissen von amerikanischen
Tänzerinnen und aus Reisen durch die Türkei und arabischen
Ländern. Sie hat mir einen sehr guten Einblick in die orientalische
Tanzwelt hier in Deutschland gegeben und dafür bin ich ihr
sehr dankbar.
Hast Du einen Künstlernamen und wenn
ja, wie bist Du dazu gekommen?
Fatima Serin ist eigentlich mein richtiger Name- als Kind mochte
ich meinen Namen nicht, weil es kein sehr moderner Namen ist. Aber
meine Mutter musste diesen Namen nehmen, weil die Hebamme meiner
Mutter so hieß und meinte, sie würde ihr nicht bei den
folgenden Entbindungen helfen, wenn sie diesen Namen nicht verwenden
würde!
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflusst hat? Oder hattest Du
ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Es mag banal klingen- aber das Publikum war der größte
Einfluss für meine Karriere. Vor einem Publikum zu stehen,
und Applaus und strahlende Gesichter zu sehen, war für mich
der Anlass diesen Beruf professionell auszuüben. Natürlich
haben mich auch sehr viele Lehrer beeinflusst, sehr viele Shows,
die ich gesehen habe in Ägypten und anderen Ländern. Auch
mein Aufenthalt in Tunesien 1994, als ich bei einer Folkloregruppe
mehrere Monate als orientalische Tänzerin engagiert war hat
mir sehr gefallen und mich sehr geprägt. Besonders die Gemeinschaft
mit anderen Frauen und die tägliche Routine als Tänzer
in einer Gruppe.
Was bedeutet der orientalische Tanz für
Dich?
Der Tanz ist ein Kulturgut, dass ich sehr gerne pflegen möchte.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Ich bin hauptberufliche Tänzerin und Lehrerin, Leiterin mehrerer
Tanzgruppen und zudem organisiere ich seit 12 Jahren ein jährliches
und bisweilen sehr erfolgreiches orientalisches Festival, was seit
kurzem "Merhaba"- Tanzfestival heißt. Außerdem
mache ich interkulturelle Projekte an Schulen und Kindergärten,
wo ich den Kindern, die orientalische Kultur und auch Tanzkultur
näher bringe- die Arbeit mit Kindern mag ich generell sehr
gerne.
Glaubst Du, dass der Tanz Dich in Deiner
persönlichen Entwicklung beeinflusst hat?
Ja, in jedem Fall- durch den orientalischen Tanz bin ich sehr viel
selbstständiger, selbstbewusster und unabhängiger vom
Urteil meiner Familie oder anderer geworden.
Tanzt Du eher choreographiert oder lieber
frei?
Ich mag beides. Es kommt stark darauf an, zu welchem Anlass man
tanzt. Wenn ich die Wahl habe, mir auszusuchen was ich am liebsten
mache, dann wäre das mit großer Sicherheit die Improvisation
auf Livemusik. Auf Privatparties oder ähnlichem tanze ich in
der Regel auch frei- jedoch gilt für Bühnenauftritte mit
Fachpublikum, dass zumindest ein Teil des Tanzes von mir choreographiert
wird- um auch einfach dem hiesigen Trend zu genügen.
Was
ist Dir in Deinem Unterricht wichtig? Was macht für Dich eine/n
gute/n Lehrer/in aus?
Ich möchte, dass die Schülerinnen Spaß am Tanzen
haben und ihr eigenes Tempo bestimmen können. Bei mir ist jede
Unterrichtsklasse anders und kann ihre Eigendynamik entwickeln.
Mir ist auch sehr wichtig, viel über die orientalische Kultur
weiterzugeben. Die Schülerinnen erfahren bei mir nicht nur
Tanzschritte, sondern auch Hintergrundwissen, geschichtliche Dinge
etc. Ich finde, gerade in der heutigen Zeit, schadet es nichts,
die orientalische Kultur - so wie ich sie kenne- und nicht so wie
sie häufig in den Medien dargestellt wird- an andere weiterzugeben.
Was machst Du lieber - tanzen bzw. auftreten
oder unterrichten?
Mir ist der Ausgleich zwischen den beiden Feldern besonders
wichtig. So gerne ich auftrete- ich genieße auch die Zeit
mit den Frauen im Unterricht, da ich mit all meinen Schülerinnen
ein sehr gutes Verhältnis habe und viele von ihnen für
mich Freundinnen geworden sind.
Wie
steht Deine Familie zum orientalischen Tanz und zu Deinen Aktivitäten?
Das was leider nicht immer so, wie ich mir das gewünscht hätte.
Meine Eltern- insbesondere mein Vater waren von der Idee professionelle
orientalische Tänzerin zu werden nicht sehr begeistert, im
Gegenteil, mein Vater wollte es mir als Teenager verbieten Unterricht
zu nehmen und hat sich später auch 6 Jahre von mir abgewendet
deswegen, was ich sehr traurig fand. Kurz vor seinem Tod hat er
mir aber "vergeben" und mir seinen Segen gegeben, wofür
ich sehr dankbar bin. Meine Brüder sind sehr liberal und haben
da nie etwas gegen gehabt- im Gegenteil die sind stolze Besucher
meiner Veranstaltungen. Erstaunlicherweise bin ich diejenige von
uns allen (inklusive Mutter, Schwestern, Brüder etc). die am
engsten mit der orientalischen Kultur verbunden ist, unter anderem
wegen dem orientalischen Tanz!
Dein Motto? Lebe lieber ungewöhnlich...
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