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Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Das war schon Anfang der Achtziger Jahre. Ich hatte bis dahin immer
Balkan-Folklore getanzt, aber irgendwann faszinierte mich dieser
Tanz, den ich oft auf arabischen und türkischen Familienfesten
gesehen hatte. Von 1986 bis 1991 studierte ich dann Islamwissenschaften
in Jerusalem und nahm dort oft Unterricht im orientalischen Tanz,
z.B. bei Amoura, die heute in Wien lebt. Orientalischer Tanz ist
in Israel bei der jüdischen wie muslimischen Bevölkerung
ja gleichermaßen beliebt, wenn man mal von den religiösen
Fanatikern absieht. Nach einiger Zeit engagierte mich ein orientalisches
Restaurant, später auch ein Club, und das war natürlich
ein Anreiz, mich intensiver mit dem Tanz zu beschäftigen und
fleißig zu üben. Ab 1991 war ich dann für zwei Jahre
zum Arabisch-Studium in Kairo an der Uni und habe natürlich
die Gelegenheit genutzt, bei Profis wie Nadia Hamdi oder Ibrahim
Akif mehr zu lernen.
Hast
Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Laloum ist ein nordafrikanisch-sephardischer Nachname, und der wiederum
ist ein Teil meiner (Familien-)Geschichte.
Gibt es jemanden, der Dich besonders beeinflusst
hat? Oder hattest Du ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders
geprägt hat?
Mit Sicherheit war Nadia Hamdi in Kairo eine der wichtigsten Persönlichkeiten
in punkto Raqs Sharqi für mich. Sie unterrichtet nach der alten
Familientradition aus Kairos Muhammad Ali- Straße, ist allerdings
heute aus "Schicklichkeitsgründen" verschleiert.
Nadia ist ein typisches Beispiel für die orientalischen Widersprüche.
Ihr Tanz ist ungeheuer expressiv und anmutig mit einem wirklich
breiten Repertoire- von Sagat bis hin zu Tanoura.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Neben diversen Auftritten unterrichte ich auch öfter Workshops
und gebe Privatunterricht. Abgesehen vom Tanz möchte ich auf
Grund meiner langjährigen Erfahrungen in Nahost auch Kulturelles
vermitteln, was meines Erachtens bei uns oft viel zu kurz kommt.
So mache ich z.B. auch Vorträge zum Thema orientalischer Tanz/
Musik/ Film usw., erkläre im Unterricht Liedtexte, schreibe
zu bestimmten Themen wie etwa "Liebe und Erotik im Islam"
usw.
Was magst Du am orientalischen Tanz besonders?
Für mich ist der orientalische Tanz eine Ausdrucksform des
Weiblichen schlechthin. Der Genuss, sich als Frau zu fühlen
und das zu zeigen. Und damit auch andere glücklich zu machen.
Glaubst
Du, dass orientalischer Tanz und Erotik zusammengehören?
Ja, auf alle Fälle. Die Bewegungen mit Hüfte, Bauch und
Busen, und auch die Mimik und Gestik gehen fast alle in diese Richtung.
Allerdings wird die Erotik hier zu Lande oft missverstanden und
in eine bestimmte, sehr eindeutige Richtung interpretiert. Im Orient
ist dies- vielleicht infolge der immer noch ausgeprägten Geschlechtertrennung-
wesentlich vielschichtiger. Frauen können anderen Frauen gegenüber
Erotik fühlen, ohne im mindesten lesbisch zu sein. Und auch
für orientalische Männer regt der Tanz oft nur Fantasien
an, die nicht unbedingt gleich konkret sein müssen. Eher ein
Genuss ohne direkte Folgen, eine Stimulation von Phantasien.
Was war das schönste oder amüsanteste
Erlebnis Deiner bisherigen Laufbahn?
Ich erzähle das amüsanteste: 1994 hatte ich mir einen
Leistenbruch geholt und wurde operiert. Der Chirurg erteilte mir
drei Monate strengstes Tanzverbot. Nach etwa anderthalb Monaten
rief mich ein Kinderarzt an, der für seine Praxiseröffnung
eine Bauchtänzerin suchte. Ich fühlte mich fit und nahm
das Angebot an. Dutzende von Kleinkindern tobten beim Auftritt um
mich herum, und irgendwann sah ich unter den geladenen Gästen
- meinen Chirurg! Ich wurde natürlich knallrot und war ziemlich
verlegen, weil ich mich ertappt fühlte, aber er meinte nur
lächelnd: "Sie haben sich ja gut erholt, da trinken wir
ein Gläschen drauf."
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