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Wann
und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Ich bin als ziemlich junges Küken zum orientalischen Tanz gekommen.
Meine erste Lehrerin Nesrin Cömer (kennt heute wahrscheinlich
niemand mehr) hatte zwar kein ausgefeiltes Unterrichtskonzept, aber
ließ uns von Anfang an immer wieder frei tanzen - wofür
ich ihr heute sehr dankbar bin. Ich war dann ziemlich schnell infiziert
- ich erinnere mich noch, daß nach ca. einem halben Jahr Unterricht
Nagua Fuad nach Frankfurt kam, und ich als Schülerin mein ganzes
Erspartes zusammenkratzte, um sie sehen zu können. Einige Zeit
später ich habe ich dann - wie die meisten Frauen eigentlich
zu früh - mit Auftritten und ein weiteres Jahr später
mit dem Unterrichten angefangen....
Hast Du einen Künstlernamen und wenn
ja, wie bist Du dazu gekommen?
Meinen Künstlernamen habe ich mir schon sehr früh ausgesucht.
Allerdings habe ich lange Jahre geglaubt, dass er übersetzt
"die Prächtige" bedeuten würde. Da ich schon
damals ein Faible für tolle Kostüme hatte, dachte ich
mir "Das passt!". Um die Aussprache zu erleichtern, änderte
ich ein paar mal die Schreibweise, wodurch die eigentlich unübliche
Form Djamila entstand. Als ich später erfuhr, dass dies übersetzt
eigentlich "Die Schöne" heißt, hatte ich mich
schon so an den Namen gewöhnt, dass ich dabei blieb. Im Laufe
der Zeit ist er mir so vertraut und selbstverständlich geworden,
dass ich ihn mittlerweile sogar als "normaler" als meinen
eigentlichen Vornamen empfinde.
Gibt
es jemanden, der Dich besonders beeinflusst hat? Oder hattest Du
ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Nun, über viele Jahre war es Reyhan, von der ich sehr viel
lernte und die meine tänzerische Entwicklung stark beeinflusste,
bevor sich nach vielen Jahren enger Zusammenarbeit unsere Wege wieder
trennten und in recht unterschiedliche Richtungen verliefen. Lange
Zeit habe ich mich fast ausschließlich mit dem ägyptischen
Stil befasst, der bis heute mein Schwerpunkt und meine tänzerische
Basis geblieben ist. Allerdings sehe ich das Ganze heute lockerer
und weniger "missionarisch". Ich schaue mir gerne andere
Richtungen an und lasse sie in meinen Tanz einfließen, wenn
sie vom Stil und Ausdruck her zu meiner Basis passen. Aus diesem
Grund arbeite und lerne ich sehr gerne von Leuten, die für
den ägyptischen Stil stehen (wie z.B. Shareen el Safy, Jillina,
Raqia Hassan) wie auch von Tänzerinnen und Tänzern, die
andere Tanzrichtungen integrieren, wie z.B. Said el Amir und Raksan
aus Deutschland, um nur einige zu nennen.
Was
bedeutet der orientalische Tanz für Dich?
Herausforderung. Leidenschaft. Ständige Entwicklung. Nie stehen
zu bleiben und nie fertig zu sein. Unterschiedlichste Gefühle
ausdrücken zu können. Zu geben und zu nehmen. Ganz bei
sich zu sein und ganz außer sich zu sein. Ein Leben ohne orientalischen
Tanz wäre für mich unvorstellbar.
Was sind Deine Aktivitäten in Sachen
oriental. Tanz?
Kurse, Projekte, Auftritte, Workshops, Shows... das Übliche
eben. Neben dem Tanzen und Unterrichten ist das Internet mein zweites
großes Steckenpferd. Ich gestalte meine Homepage selbst und
entwerfe auch Internetseiten für andere Tänzerinnen. Viel
Zeit und Aufwand stecke ich in die Bauchtanzinfoseite, was mir aber
gleichzeitig auch sehr viel Spaß macht und Freude bereitet.
Wichtig ist mir dabei, dass ich neben den ganzen Aktivitäten
immer noch genug Zeit und Freiraum habe, um etwas für meine
eigene Weiterbildung zu tun. Ich nehme bis heute regelmäßig
Unterricht und besuche so oft wie möglich Workshops bzw. arbeite
auch viel mit Videos.
Gibt
es eine Tanzart, eine Musikrichtung, die Du besonders magst oder
hast Du ein Lieblingsaccessoire im Tanz?
Eigentlich mag ich den puren orientalischen Tanz - sei es nun Raqs
Sharqi oder Baladi - in seiner ursprünglichen Form, ohne Schnickschnack
und Firlefanz am liebsten. Die verschiedenen Mischformen und Fusionen
im orientalischen Tanz sehe ich mir bei anderen zwar sehr gerne
an (wenn es gut gemacht ist), aber als Tänzerin und Künstlerin
fehlt mir - zumindest jetzt noch - der eigene Zugang dazu.
Glaubst Du, dass der Tanz Dich in Deiner
persönlichen Entwicklung beeinflusst hat?
Auf jeden Fall. Ich denke, jede Frau, die sich intensiv mit diesem
Tanz auseinandersetzt, kommt an einer inneren Entwicklung und persönlichen
Aufarbeitung nicht vorbei. Man lernt enorm viel über sich selbst
und auch über andere. Wobei ich der Überzeugung bin, dass
es gerade die negativen Erlebnisse und Erfahrungen sind, die einen
in der persönlichen Entwicklung am meisten weiterbringen.
Glaubst
Du, dass orientalischer Tanz und Erotik zusammengehören?
Aber ja! Jeder Tanz - ob Ballett, Flamenco oder Tango - ist auf
seine eigene Art und Weise erotisch! Meiner Meinung nach kann man
solche Dinge aber nicht in gut und schlecht oder schwarz und weiß
einteilen. Jedes Extrem braucht einen Gegenpol. Ich denke, inwieweit
ein Tanz noch erotisch oder schon billig wirkt, liegt sehr stark
im Auge des Betrachters. Für mich ist das Wichtigste, dass
das Gesamtbild ästhetisch bleibt.
Was machst Du lieber - tanzen bzw. auftreten
oder unterrichten?
Beides gleich gerne! Wenn ich wählen müsste - ich wüsste
es nicht... Genauso, wie ich mit Leib und Seele tanze, unterrichte
ich auch, wobei mir bis heute zwei Dinge besonders wichtig sind:
Zum einen möchte ich keine Kopien von mir heranbilden, sondern
die Frauen in ihrer eigenen tänzerischen Entwicklung fördern,
auch wenn diese vielleicht in eine ganz andere Richtung geht. So
mag ich es überhaupt nicht, wenn jemand Schülerinnen mit
allen Mitteln an die eigene Person bindet.
Der
zweite Punkt ist die exakte, aber trotzdem leicht verständlich
Erklärung der Technik. Dieses Thema beschäftigt mich schon
seit langer Zeit, und demnächst werde ich im Rahmen der ESTODA-Ausbildung
noch tiefer in die Materie einsteigen, worauf ich mich schon sehr
freue. Ich bin immer wieder verwundert, wie viele im Grunde genommen
immer noch nach dem Prinzip "zuschauen und nachmachen"
unterrichten, auch wenn dies nicht aus böser Absicht, sondern
einfach aus dem "nicht besser Wissen" heraus entsteht.
Dein Motto?
Es gibt zwei Sprüche, die ich sehr treffend finde.
Zum einen von Francois Truffaut: "Man kann keinen überholen,
wenn man in seine Fußstapfen tritt".
Zum anderen den Spruch, der für mich das Wichtigste im Tanz
überhaupt ausdrückt: "Nur was von Herzen kommt,
kann ein anderes Herz erreichen."
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