Portrait der Bauchtänzerin Chryssanthi Sahar: Persönliches, künstlerischer Werdegang, Vorbilder und Aktivitäten sowie Kontaktadresse


Künstlername: Chryssanthi Sahar
Geburtsjahr:  1960
Sternzeichen: Löwe / Asz. Schütze
Beruf / Tätigkeit: Bauchtänzerin und Tanzlehrerin
Erzähl uns ein bisschen was von Dir privat... Ich bin gebürtige Griechin, lebe aber schon sehr lange in Deutschland. Ich bin nach dem Abi zum Studieren hierher gekommen, lernte aber bald meinen wunderbaren deutschen Mann kennen und blieb. Das Studium (Germanistik/Pädagogik) schloß ich mit Magister ab und später studierte ich noch etwas anderes (Japanologie/Ethnologie). Ich bin schon 21 Jahre verheiratet und habe eine 17-jährige Tochter.
Was findest Du an Dir positiv? Ich bin ein lernbegieriger, sehr aufgeschloßener und neugieriger Mensch. Außerdem bin ich eine echte Kämpfernatur und habe einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
Und was magst Du nicht an Dir? Daß ich manchmal mein Temperament nicht zügeln kann. Aber es wird immer besser.
Worüber kannst Du Dich aufregen? Über Ungerechtigkeit, Dummheit und Intrigen (lezteres beeinhaltet die anderen zwei).
Was bedeutet Glück für Dich, oder was macht Dich glücklich? Mein Leben so zu leben, wie ich es für richtig halte, ohne mich von den Vorstellungen anderer einschränken zu lassen (was nicht bedeutet, daß ich andere Meinungen nicht respektiere). Freiheit zur persönlichen Entfaltung und Authentizität (sich selbst sein) sind für mich ganz hohe Werte und ich glaube, kein Mensch kann ohne sie glücklich sein.

Wann und wie bist Du zum orientalischen Tanz gekommen?
Ich bin damit aufgewachsen. In Griechenland ist Bauchtanz ein sehr verbreiteter Gesellschaftstanz. Wir nennen ihn Tsifteteli und wir tanzen ihn Männer und Frauen zusammen. Wenn er allerdings als Show-Tanz getanzt wird, wird er ausschließlich von Frauen vorgeführt. Ich bin aber noch mehr als der Durchschnittsgrieche damit konfrontiert worden, weil ich eine orientalische Griechin bin. D.h. meine Großeltern mütterlicherseits (bei welchen ich die ersten 5 Jahre meines Lebens gelebt habe), sind Griechen aus der Türkei, vom Schwarzen Meer, und sie kamen 1925 wegen des Bevölkerungsaustausches zwischen Griechenland und Türkei nach Griechenland. Vor allem mein Opa, der Griechisch erst in Griechenland lernte, hatte viel und gerne Tsifteteli getanzt. Aber unsere ganze Familie hat immer viel getanzt, nicht nur Bauchtanz sondern auch griechische Folklore und für uns war es eine Frage der Ehre, ein guter Tänzer zu sein. Ich hatte mit ca. 15, in typischer Teenager Manier, plötzlich keine Lust mehr gehabt in Festen zu tanzen (ich rede nicht von Auftritten, sondern ganz normal miteinander), und dann wurde ich von meinem Vater regelrecht dazu gezwungen, um nicht die Ehre der Familie zu schädigen.

Hast Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Nur zur Hälfte. Mein richtiger Name ist Chryssanthi (Scharf mit Nachnahmen - von meinem Mann), aber Sahar ist mein Künstlername. So haben mich die Ägypter in einem ägyptischen Restaurant in Stuttgart, wo ich fast 2 Jahre lang regelmäßig getanzt hatte, getauft. Sie meinten "Sahar" (es bedeutet "Morgenröte" oder "Morgenstern", je nach Land), würde ganz gut zu mir passen. Ich glaube es auch, da ich öfters in den frühen Morgenstunden noch wach bin (ich bin ein ausgesprochener Nachtmensch).

Gibt es jemanden, der Dich besonders beeinflußt hat? Oder hattest Du ein Schlüsselerlebnis, das Dich besonders geprägt hat?
Ich hatte ein Schlüsselerlebnis, dass mich zum arabischen Bauchtanz geführt hat. Ich hatte 1984 ein Faschingsfest an meiner Uni besucht und dort hatte eine arabische Live-Band gespielt. Ich war seit meiner Kindheit verrückt nach Trommelklängen und Rhythmus. In userer griechischen Musik spielt Rhythmus eine absolut zentrale Rolle. Aber auf jenem Fest hörte ich zum ersten Mal arabische Trommeln live. Das machte mich richtig an und ich begann, wie eine Besessene zu tanzen. Ich fiel den Arabern, die um mich herum tanzten sofort auf, und zwei packten mich an den Armen, banden mir ein Tuch um die Hüfte und stellten mich auf die Bühne. Ich sollte da oben tanzen. Das tat ich auch, aber ich wurde bald müde, weil unsere griechische Art des Bauchtanzes nicht für sehr schnelle Musikpassagen geeignet ist (es gibt z.B. keine Hüftschimmies; Schulterschimmies schon.) Dann schaute ich die arabischen Frauen, die mittanzten, an, und stellte fest, daß sie eine andere Tanztechnick hatten, mit der sie ganz locker diese schnellen Passagen tanzen konnten. So faßte ich den Endschluß, unbedingt die arabische Technik zu lernen, um in der Lage zu sein, stundenlang auf diese tolle Musik zu tanzen. Kurz darauf entdeckte ich, daß es Bauchtanzkurse in der VHS in Heidelberg gab und das war der Eingang in die Welt des Orientalischen Tanzes. Witzigerweise traff ich später diese arabische Band wieder und arbeitete Jahre lang mit ihr zusammen. Und diese Band war "Al Sharq" mit Ibrahim Abu Hassan und Nayef Taha an den Trommeln. Und genau diese zwei Personen, sind diejenigen, von denen ich das meiste über den Orientalischen Tanz gelernt habe.

Was bedeutet der orientalische Tanz für Dich?
Mein halbes Leben. Tanz an sich bedeutet sehr viel für mich. Ich bin sehr glücklich, wenn ich tanze, egal was ich tanze. Ich würde mich sogar als tanzsüchtig bezeichnen. Vielleicht hängt es doch mit meiner Kindheit zusammen.

Was sind Deine Aktivitäten in Sachen orientalischer Tanz?
Im Moment in erster Linie Unterricht und Auftritte in Restaurants und bei privaten Festen. Ich hatte ca. 4 Jahre lang Pause gemacht und ich bin wieder seit ein paar Monaten dabei, insofern habe ich noch einiges vor.

Gibt es eine Tanzart, eine Musikrichtung, die Du besonders magst oder hast Du ein Lieblingsaccessoire im Tanz?
Beim O.T. mag ich ganz deutlich den Raks Sharqi. Ich liebe die klassische ägyptische Musik und, wenn ich darauf tanze, tanze ich Raks Sharqi. Allerdings liebe ich als Griechin auch die griechische Bauchtanzmusik und auch für die libanesische Musik schlägt mein Herz. Trotzdem ist mein Markenzeichen, wenn ich auftrette, mein Schwerttanz. Der passt wieder zu meiner Kämpfernatur und ich habe ihn schon seit den Anfängen meiner Tanzlaufbahn gemacht. Ich benutze auch schon immer nur ein einziges, echtes Schwert (abgestumpft natürlich), das auf eine besondere Art zu mir gekommen ist.

Glaubst Du, dass es im orientalischen Tanz neben der Technik und dem Gefühl noch eine weitere, andere Ebene gibt - wie immer man diese bezeichnen mag?
Ja, auf jeden Fall. Der Bauchtanz ist ein spiritueller Tanz, da fließen ganz starke Energien. Ich erkenne das, je länger ich mich damit beschäftige und mit dieser Ebene möchte ich mich noch viel mehr auseinadersetzen. Die säkulere Ebene des Tanzes interessiert mich immer weniger.

Tanzt Du eher choreographiert oder lieber frei?
Ich tanze lieber frei. Die Improvisation und das Zusammenspiel zwischen Musikern und Tänzerin (wenn man mit Live-Musik tanzt), ist genau das, was die Faszination des O.T. ausmacht. Allerdings mache ich eine sogenannte "Semichoreographie", wenn ich auf einer Bühnenshow tanze.

Was ist Dir in Deinem Unterricht wichtig? Was macht für Dich eine/n gute/n Lehrer/in aus?
Mir ist am aller wichtigsten, daß meine Schülerinnen Spaß und Freude haben. Natürlich will ich ihnen auch meine Kenntnisse so gut und verständlich wie möglich weiter vermitteln, aber sie sollten nie das Gefühl haben, überfordert zu sein und genauso wenig sollten sie sich langweilen. Abgesehen danvon möchte ich ihnen den Bauchtanz so vermitteln, daß sie bald selbst frei tanzen können.

Wenn Du noch mal von vorne beginnen und ganz am Anfang Deiner tänzerischen Laufbahn stehen würdest, was würdest Du anders machen?
Interessanterweise ist diese Frage für mich nicht nur theoretisch. Ich habe meine tänzerische Laufbahn 4 Jahre lang unterbrochen und jetzt stehe ich wieder am Anfang. Es ist sicherlich nicht mehr wie vor fast 20 Jahren, als ich blutige Anfängerin war, da ich einigen Leuten immer noch ein Begriff bin und tänzerisch sehr ausgereift, aber es ist trotzdem ein Neuanfang. Was ich jetzt anders mache: a) Ich interessiere mich nicht mehr für das ganze Konkurrenzgehabe der O.T.-Szene und ich habe definitiv alle Starallüren abgelegt (ich bin früher leider in diese übliche Falle getappt). Mir ist inzwischen völlig egal, ob ich als Vorprogramm, oder als der Star des Abends auftrette. Ich möchte nur tanzen, Spaß dabei haben und auch meinem Publikum Spaß machen. b) Ich bin weniger kritisch anderen Tänzerinnen gegenüber. Ich denke, jede Frau, die Bauchtanz macht, hat ihre Gründe und ich gönne es ihr vom ganzen Herzen, egal ob sie perfekt oder weniger perfekt ist. c) Ich möchte mich viel mehr mit der spirituellen Ebene dieses Tanzes beschäftigen. Deswegen nenne ich ihn öfter "Bauchtanz" als "Orientalischen Tanz", weil ersteres universeller ist und der Natur dieses Tanzes entspricht. Nur wenn man mit dem "Bauch" (auf allen Ebenen der Bedeutung dieses Wortes) tanzt, tanzt man wirklich.

Dein Motto?
Glücksmomente erzeugen und Farbe ins Graue bringen.


Kontaktadresse:

Chryssanthi "Sahar" Scharf
Gaisbergstr.12
69115 Heidelberg

Tel.: 06221-436679
Handy: 0172-6247698

Email: bauchtanz@chryssanthi.com
Homepage: www.chryssanthi.com

Fotonachweis:


Bild mit Säbel: Phillip Rothe
Bild im schwarzen Kostüm: unbekannt
Alle anderen Bilder: Gudrun Holde Ortner

 

 

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