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Wann
und wie bist Du zum O.T. gekommen?
Ich habe meine Liebe zum Orientalischen Tanz 1989 entdeckt und zwar
in einem VHS-Kurs in Mannheim. Schon als Kind hat mich das Tanzen
begeistert und ich hatte immer den Traum, es "richtig"
zu lernen. Aber daraus sollte zunächst nichts werden und so
tobte ich meine Tanzlust als Teenager nächtelang in irgendwelchen
Discos aus. Sehr früh, mit 19 Jahren, wurde ich schwanger,
bekam meine Tochter und heiratete (und zwar genau in dieser Reihenfolge
und mit 23 war ich wieder geschieden). Mit 21 Jahren hatte ich dann
das Gefühl, etwas für mich tun zu müssen und so erinnerte
ich mich an meinen alten Traum von der Tanzausbildung. Und dann
begann ich mich zu informieren, welche Tanzart ich denn in diesem
(für eine Tanzausbildung schon ziemlich fortgeschrittenen Alter)
lernen könnte und mir fiel eines Tages das VHS-Programm mit
dem Angebot für Orientalischen Tanz in die Hände und was
darin stand von Weiblichkeit, Anmut und Lebensfreude sprach mich
ganz stark an und dann lockte noch das Fremde und Exotische, was
mich auch schon immer fasziniert hatte. Ich ging also zu meinem
1. Kurs und war sofort völlig begeistert von diesen Bewegung,
dieser Musik und so ist es bis heute geblieben!
Hast
Du einen Künstlernamen und wenn ja, wie bist Du dazu gekommen?
Ja, das werde ich wirklich häufig gefragt! Also, Bambi, das
ist ein Spitzname von mir, den ich schon vor meiner Zeit als Orientalische
Tänzerin hatte und als ich mir Gedanken über einen Künstlernamen
machte, da war für mich klar, da mich ja sowieso schon alle
so nennen, bleibe ich dabei. Aber alleine war mir das Wort "Bambi"
irgendwie zu niedlich und auch zu kurz und so wollte ich unbedingt
noch einen 2. Namen dazu, hatte aber den Anspruch, dass er auf jeden
Fall einen Bezug zu mir und meinem Leben haben sollte. Der arabische
Name Sahab (sprich: Sahaab) bedeutet "Wolken" und ich
habe ihn in einem Buch gelesen, in dem ein junger Mann von einer
Frau schwärmt, die so heisst. Er schwärmt auch von diesem
Namen und unter anderem wird das folgende arabische Sprichwort erwähnt:
"Die Hunde bellen, aber die Wolken ziehen weiter!" und
da wusste ich, das ist der richtige Name für mich, denn ich
lasse mich, wenn ich das Gefühl habe, etwas ist richtig für
mich, nicht beirren und wenn hundert "Hunde" bellen!
Gibt es jemanden, der Dich besonders beeinflusst
hat?
Besonders beeinflusst haben mich drei Frauen, bei denen ich jeweils
mindestens 2 Jahre Unterricht in Orientalischem Tanz hatte und denen
ich hiermit auch danken und meinen tiefsten Respekt aussprechen
möchte, da sie mich durch ihre jeweils individuelle Weise in
meinem Weg als Tänzerin sehr weitergebracht haben: Mitra Mir-Emadi,
Sigrid Souriah Brenner und Reyhan Seward.
Was
sind Deine Aktivitäten in Sachen Orientalischer Tanz?
Wochenkurse, Workshops und Projekte im eigenen Studio TARAB, Zentrum
für Orientalischen Tanz in Heidelberg und seltener (aber gerne)
auch ausserhalb. Tanzabende für Frauen im Studio und Auftritte
auf privaten und betrieblichen Festen, jährlich Organisation
und Auftritte anlässlich der Benefiz-Tanzshow-Oriental, einem
Lieblingsprojekt von mir: mit dem Erlöss dieser Show finanziere
ich SOS-Kinderdorf-Patenschaften in Marokko und Ägypten, eine
weiteres Lieblingskind von mir sind Tanzreisen (Marokko, Türkei
etc.)
Was bedeutet der Orientalische Tanz für
Dich?
Ohne den O.T. kann ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen, er
ist mein absoluter Lebensinhalt! Ich sehe den Orientalischen Tanz
übrigens nicht isoliert von arabischer Kultur, Mentalität,
Lebensart und Religion, sondern für mich umfasst meine Leidenschaft
für den Orientalischen Tanz auch ein riesiges Interesse an
den genannten Bereichen! Warum dieser uralte Tanz gerade in der
orientalischen Welt überdauert hat, das lässt sich, so
glaube ich, nur dann wirklich verstehen, wenn alle Themen ganzheitlich
gesehen werden, was durchaus auch den spirituellen Aspekt einschliesst!
Abgesehen davon gehört für mich auch gründliche Aufklärungsarbeit
und sorgfältiger Umgang mit der anderen Kultur dazu, um Vorurteilen
und kitschigen Orientfantasien den Boden zu entziehen.
Was
ist Dir im Tanz wichtig (Technik, Gefühl, Ausstrahlung)?
Mir ist alles wichtig, denn ohne saubere Technik gibt es keine Ausstrahlung,
weil plumpe und ungekonnt wirkende Bewegungen auch kein Gefühle
"rüberkommen" lassen und nur rein technisch betrachtet
verkommt der Tanz zu Gymnastik nach Musik!
Tanzt Du eher choreografiert oder eher
frei?
Zwar entwickle ich sehr viele Choreografien für den Unterricht
und für die Auftritte meiner Schülerinnen auf der Benefiz-Tanzshow-Oriental,
aber für meine Solo-Auftritte bevorzuge ich es, ohne Choreografie
zu tanzen. Allerdings heisst das nicht, dass meine Auftritte nicht
strukturiert wären und ich mich nicht vorbereiten würde.
Die Musik, zu der ich auftrete, kenne ich meistens sehr gut und
habe vor dem Auftritt viel dazu getanzt und geübt, um dann
auch ohne Choreografie entsprechend reagieren zu können. Oft
verwende ich auch eine Rahmen-Choreografie, d.h. ich setze mir bestimmte
Eckpunkte und Highlights, die ich dann immer ähnlich tanze
und überlege mir vorher genau, wie ich einen Tanz beginnen
oder beenden möchte.Der Rest ist Improvisation und so ergibt
sich je nach Publikum immer wieder Neues und das macht mir viel
Spass!
Was
machst Du lieber, tanzen, bzw. auftreten und unterrichten?
Auftreten und Unterrichten sind zwei total andere Dinge! Meine Tänzerinnen-Persönlichkeit
unterscheidet sich völlig von meiner Lehrerinnen-Persönlichkeit.
Ich sehe es so: eine gute Lehrerin sollte sich im Unterricht als
Tänzerin so weit wie möglich zurückstellen, denn
es geht nicht darum, den Schülerinnen zu zeigen, dass man selbst
toll tanzen kann, sondern es geht darum, den Frauen möglichst
viel mitzugeben, damit sie selbst sich so gut es geht weiterentwickeln
und vom Unterricht profitieren können. Bei einer Tänzerin
während eines Auftritts sollte es meiner Ansicht nach genau
umgekehrt sein: hier stehe ich im Mittelpunkt und alle sollen sehen,
was ich kann und wie viel Spass es mir macht! Ich möchte auf
keinen dieser beiden Aspekte des Tanzes verzichten: meine Individualität
als Tänzerin und das Wechselspiel mit dem Publikum bedeuten
mir ebenso viel, wie meine pädagogische Tätigkeit und
die Weiterentwicklung meiner Schülerinnen und gerade die Unterschiedlichkeit
der beiden Bereiche finde ich sehr interessant und bereichernd.
Was wünschst Du Dir für den
Orientalischen Tanz in Deutschland?
Seit ich mit diesem Tanz begonnen habe, hat sich viel getan in punkto
Unterrichtsangebote, Informationsfluss, etc. ... insgesamt kommt
der Orientalische Tanz in Deutschland immer professioneller daher
und ich wünsche mir, dass dies so weitergeht, damit er gleichberechtigt
neben anderen Tanzsparten stehen kann! Professionalität bedeutet
für mich aber auch ein bewusster Umgang mit Konkurrenz!
Ist es zu "blauäugig", wenn ich mir mehr Austausch,
mehr freundliches Akzeptieren unbekannter Tänzerinnen und anderer
Tanzstile und mehr gegenseitige Unterstützung für die
Orientalische Tanzszene wünsche?
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