Wie hoch soll die Gage sein?

Der Bauchtanz unterliegt wie jede Sportart einer gewissen Kommerzialisierung. Dies bedeutet, dass nicht nur Requisiten und Kurse rund um das Thema orientalischer Tanz geboten werden, sondern dass Tänzerinnen den Bauchtanz auch nebenberuflich oder gar hauptberuflich betreiben.

Sobald eine Tänzerin aber ein gewisses Niveau erreicht, stellt sich die Frage, ob auch kommerzielle Auftritte wahrgenommen werden. Diesem Schritt folgt direkt die Frage nach der Höhe einer möglichen Gage. Wie hoch sollte also die Gage für einen Auftritt sein beziehungsweise von welchen Faktoren hängt diese ab?

1. Faktoren der Gagenhöhe

Zunächst einmal muss betont werden, dass eine adäquate Gagenhöhe schwer pauschal bestimmt werden kann. Die folgenden Aspekte spielen aber eine entscheidende Rolle.

  • Erfahrung und Fähigkeiten der Tänzerinnen
  • Bekanntheitsgrad und kommerzieller Erfolg der Tänzerin
  • Dauer und Art des Auftritts
  • Ort des Auftritts
  • Anfahrt und Dauer des Aufenthalts
  • Mögliches Kennen des Kunden
  • Verhandlungsgeschick der Vertragsparteien

2. Bestimmung der eigenen Gagenhöhe

Während die genannten Punkte zwar bedacht werden sollten und eine Orientierung bieten, helfen sie nur begrenzt dabei, die eigene Gagenhöhe zu bestimmen. Deshalb soll nun dargelegt werden, wie die eigene Gagenhöhe ermittelt werden kann.

Ganz pauschal lässt sich sagen, dass Tänzerinnen, welche den Bauchtanz auch als Einnahmequelle verstehen, Gagen zwischen 100 und 500 Euro je Auftritt erhalten. Die genaue Höhe hängt wiederum von den oben genannten Faktoren ab und kann in seltenen Fällen auch deutlich überschritten werden. Letzteres ist aber wohl nur bei den Stars der Szene der Fall, welche eine lange Show bieten. Die untere Schwelle der 100 Euro ist wohl keiner professionellen Tänzerin angemessen und sollte lediglich in Erwägung gezogen werden, sobald es sich um einen Stammkunden handelt.

Aus diesem Gagenkorridor lässt sich nun eine Annäherung an die eigene Gagenhöhe vornehmen.

An dieser Stelle soll sich lediglich den Überlegungen von Tänzerinnen gewidmet werden, welche den Bauchtanz auch kommerziell betreiben. Hobbytänzerinnen können sich hingegen überlegen, wie viel Zeit in die Vorbereitung, Anfahrt und den Auftritt investiert wurde und die Stundenzahl dann mit einem angemessenen Stundenlohn multiplizieren.

2.1 Die Nebenkosten

Eine ambitionierte professionelle Tänzerin muss sich zunächst über die eigenen Kosten bewusst werden, welche allein durch die Tanzauftritte gewinnbringend gedeckt werden müssen. Kosten betreffen beispielsweise den Kauf und die Anfertigung eigener Kostüme, die Arbeitszeit des Erlernens neuer Choreographien oder das Schalten von Werbung im Internet oder Zeitungen.

All diese Kosten müssen dann auf einen monatlichen Durchschnittsbeitrag verrechnet werden. Dieser wird dann durch die durchschnittliche Anzahl der Auftritte geteilt. Hierdurch erhält die Tänzerin einen Grundbetrag beziehungsweise Schätzwert über die Nebenkosten, welche bei jedem Auftritt anfallen.

2.2 Die Auftrittskosten

Zu diesen Nebenkosten gesellen sich dann die direkten Auftrittskosten. Hierbei handelt es sich beispielsweise um die Fahrtkosten, die Dauer des Auftritts oder der Vorbereitung möglicher Extraeinlagen. Dieser Kostenpunkt unterscheidet sich je nach Auftritt und wird flexibel bestimmt.

2.3 Die Positionierung am Markt

Letztlich hängt die Gagenhöhe aber auch zentral davon ab, wo sich die Tänzerin am Markt sieht und wie sie ihre eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen einschätzt. Hier wird dann ein Erwartungshorizont gebildet, welcher eben dieser Positionierung entspricht. Dabei kann sich eine Künstlerin beispielsweise vornehmen, dass für jeden Auftritt 200 bis 300 Euro verlangt werden. Der genaue Endbetrag hängt dann wiederum von der Höhe der Auftrittskosten ab.

3. Die Verhandlung

Bei der Verhandlung selbst sollte sich jede Tänzerin bewusst machen, dass sie in diesem Moment als Unternehmerin auftritt. Ein entsprechend professionelles Verhalten ist demnach ebenso selbstverständlich wie genaue Vorstellungen die Gagenhöhe betreffend.

Dabei empfiehlt es sich, unabhängig vom Kunden zunächst einmal die eigenen Gagenforderungen für einen Auftritt dieser Art zu formulieren. Ist der Kunde einverstanden oder gibt vor, sich das Ganze nochmals zu überlegen, kann von einem gewonnenen beziehungsweise verlorenen Vertrag ausgegangen werden.

Sollte der Kunde hingegen beginnen, die Höhe des Preis zu thematisieren und eventuell drücken zu wollen, kann geschickt auf typische Argumente eingegangen werden. Dem Grundargument, warum denn so viel für einen Auftritt verlangt wird, kann einfach begegnet werden. So sollte eine Tänzerin hier betonen, dass sie aufgrund ihrer Professionalität davon überzeugt ist, dass dieser Preis gerechtfertigt ist. Zudem kann auf die branchenüblichen Preise sowie die eigene Erfahrung verwiesen werden.

Inwiefern sich dann noch auf Verhandlungen eingelassen wird, bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Fest steht lediglich, dass insbesondere unter Freunden oder zu bestimmten Anlässen auch Ausnahme von der Regel des Fixpreises gemacht werden können.

4. Bauchtanz als Geschäftsmodell

Letztlich sollten sich Tänzerinnen noch auf einige kritische Felder einstellen, welche rund um das Thema professioneller und kommerzieller Bauchtanz bestehen.

So kann sich zum einen nie auf Aussagen anderer Bauchtänzerinnen verlassen werden, sobald die eigene Gagenhöhe beschrieben wird. Laut eigener Aussage scheinen manche Kolleginnen grundsätzlich vierstellige Beträge zu verdienen. Dies ist in der Regel schlicht eine Lüge und soll als Werbung und Aufbesserung des eigenen Images dienen.

Des Weiteren ist es wenig hilfreich, sich mit Kolleginnen in einen Preiskampf zu begeben und die Gagen gegenseitig zu unterbieten. In diesem Fall profitiert am Ende nur der Kunde, welcher sich über einen unterbezahlten Auftritt freuen kann. Stattdessen empfiehlt sich das Beharren auf Gagenangeboten, wodurch gleichzeitig auch die eigene Wertschätzung und Professionalität betont wird.

Abschließend ist es auch wichtig, dass der Bauchtanz als ein Geschäft und eine wirtschaftliche Unternehmung verstanden wird. Gagen sind dabei dann nur ein Faktor und stehen in Wechselbeziehungen zu Aspekten der Werbung, dem eigenen Zeitmanagement und dem Kundenkontakt.