Tipps gegen Lampenfieber

Gleichgültig, wie gut man sich auf Situationen vorbereitet, wie sicher der Mensch im Auftreten ansonsten ist, wie gut er den Text, den Inhalt der Aufführung oder die Schritte und Bewegungen für den Tanz beherrscht, wenn es schließlich an den Auftritt selbst geht, vor Menschen zu stehen, einen Vortrag zu halten, etwas vorzuführen, die Aufführung zu beginnen, sich demnach selbst zu zeigen und zu präsentieren, tritt meistens Nervosität ein. Im Magen beginnt es zu rumoren, ein Kribbeln setzt ein, die Knie werden weich, der Schweiß bricht aus, der Kopf schwirrt, das Herz beginnt zu rasen. Das Gefühl durchdringt den ganzen Körper. Das Lampenfieber ist da.

Was genau ist Lampenfieber und welche Wirkung hat es?

Von Lampenfieber werden zumeist Menschen befallen, die eine wichtige Prüfung bewältigen oder einen Auftritt absolvieren möchten. Betroffen sind demnach hauptsächlich musische Menschen, darunter Schauspieler, Tänzer oder Musiker, Menschen, die vor einem größeren Publikum eine Rede halten oder Menschen, die sich bewusst darüber sind, dass ihr Auftritt ein wichtiger Schritt in ihrem Leben ist und etwas bewirken soll. Daneben entsteht Lampenfieber auch in Situationen, wenn die Konkurrenz gefürchtet und der Mensch auf das eigene Können zurückgeworfen wird.

Die vorangegangene Sicherheit beim Einüben und der Vorbereitung wird mit dem tatsächlichen Ereignis dann schnell durcheinandergebracht. Etwas scheint alles zu blockieren, Unruhe und sogar Angst kommen auf. Die Gründe liegen meistens in der Befürchtung, gerade jetzt zu scheitern oder sich in irgendeiner Art und Weise bloßzustellen. Diese Ängste können so weit führen, dass eine Blockade einsetzt und der Mensch unfähig ist, überhaupt noch zu agieren.

Zunächst hat der Mensch keinen großen Einfluss auf diese aufkommenden Emotionen. Im Gehirn wird durch die Steuerzentrale, dem so genannten Hypothalamus, eine Sympathicusreaktion ausgelöst, aus den Nebennieren wird Adrenalin ins Blut gepumpt, eine natürliche körperliche Reaktion, die in anderen Zeiten dazu gedacht war, in gefährlichen Situationen zu überleben und den Organismus auf den bevorstehenden Kampf vorzubereiten.

Ganz so tragisch ist es zum Glück nicht mehr, so dass das Lampenfieber, ist es erst einmal aufgekommen, auch wieder unter Kontrolle gebracht werden kann. Auch kann es dem Auftritt dienen, da die Wirkung aufputschend ist, das Leistungsvermögen gesteigert wird, der ganze Körper unter einer Anspannung steht, aus der sich zu befreien mehr Kraft ermöglicht und den Auftritt umso erlösender machen kann.

Wie also lässt sich Lampenfieber überwinden?

Zunächst kann sich jeder, der mit Lampenfieber zu kämpfen hat, bewusst machen, dass dieses Zittern vor dem bevorstehenden Ereignis auch eine positive Auswirkung auf den Körper hat. Das ausgeschüttete Adrenalin im Körper schärft die Sinne erheblich und wird den Auftritt kraftvoller machen, sobald der aufkommende Stress nicht gefürchtet wird.
Die Hilfe gegen Lampenfieber beginnt demnach im Kopf. Schlägt das Herz schneller, werden die Knie weich, kann sich der Mensch bewusst machen, dass er seinen Auftritt beherrscht, dass er die Choreographie in ihren Abfolgen ausreichend geübt hat und das Gefühl, das ihn nun beherrscht, eine positive Wirkung haben wird.
Gerade das leichte Lampenfieber ist pure Energie. Ohne Aufregung kann der Auftritt kaum emotional und kraftvoll erfolgen. Jede Bewegung wird dann eher wie unter dem Einfluss von Schlaftabletten wirken, statt die Menschen mitzureißen. Lampenfieber hat also den gegensätzlichen Effekt.

Hilfe gegen Lampenfieber

Wie stark Lampenfieber aufkommt und sich auswirkt, hängt natürlich immer vom jeweiligen Menschen ab. Routine kann mit der Zeit sehr selbstsicher machen. Auch gibt es nun einmal Menschen, die an Auftritte gelassener herangehen als andere. Dennoch sind für jeden Menschen genügend Möglichkeiten vorhanden, die Nervosität wieder abzubauen und die Emotionen positiv zu nutzen.

Bewegung

Um den Körper bei Lampenfieber wieder etwas zu beruhigen und die Nervosität zu reduzieren, hilft vor allen Dingen moderate Bewegung. Da Lampenfieber im Grunde ein ursprünglicher Flucht- bzw. Kampf-Reflex war, simuliert die Bewegung diesen Reflex und die Anspannung lässt nach.
Sobald das Lampenfieber einsetzt, reicht es meistens schon aus, einen kleinen Spaziergang zu machen, einige Treppenstufen zu steigen oder sich selbst auf der Bühne zu bewegen.

Ort und Zeit

Wichtig ist auch, rechtzeitig am Ort des Geschehens zu sein, um sich dort in aller Ruhe auf das Ereignis vorzubereiten.
Gerade Eile und Hetze verursachen nur noch mehr Stress, lassen den Auftritt fahrig werden. Aus dem gehetzten Gefühl taucht der Mensch in den eigentlichen Auftritt, sieht das Publikum vor sich und wird mit diesem plötzlichen Umschwung konfrontiert, den nicht jeder bewältigen kann. Das kann durchaus zu einer Blockade führen.
Wer dagegen rechtzeitig kommt, sich Zeit nimmt, um sich zunächst etwas zu entspannen und auf das Kommende vorzubereiten, auch indem er sich mit der Umgebung vertraut macht oder Zeit hat, mit anderen zu reden, wird die Nervosität schneller überwinden.
Der zuvor noch leere Raum schafft ein Gefühl der Achtsamkeit. Schritt für Schritt lässt sich hier imaginieren, wie der Auftritt verlaufen wird, was für das Überwinden von Lampenfieber sehr hilfreich sein kann. Hier kann Bild für Bild der Auftritt noch einmal visualisiert, die Schritte und Bewegungen im Kopf durchgegangen werden.

Mut und Selbstbewusstsein

Sich selbst stark zu fühlen und Mut zuzusprechen ist ein weiterer Akt, der hilft, Lampenfieber zu überwinden. Dabei kann sich der Mensch mehrmals bewusst machen, dass er seinen Auftritt beherrscht, sich gut vorbereitet hat. Alle negativen Gefühle können so durch positive Stärke ausgeglichen und widerlegt werden.

Das hilfreiche Publikum

Ein bewährtes Mittel kurz bevor und während des Auftritts ist der Verbündete im Publikum. Freundliche oder bekannte Gesichter können durch ein Lächeln und den mehrfachen Blickkontakt Sicherheit bewirken. Statt die Gesichter aus dem Blickfeld auszugrenzen und für sich zu tanzen, ist die Konfrontation mit vertrauten oder freundlichen Gesichtern stärkend und durchbricht das Gefühl, alleine und hilflos zu sein.

Tipps gegen die Auswirkungen von Lampenfieber

Nur kein Stress. Selbst wenn der Mund trocken ist, das Herz rast, die Knie zittern, es gibt Wege, dem abzuhelfen.

Ist der Mensch aufgeregt, atmet er hauptsächlich durch den Mund und produziert damit weniger Speichel. Das Schlucken wird schwerer, der Mund ist ausgetrocknet. Hier hilft ganz einfach das Trinken von Wasser. Vor dem Auftritt kann auch ein Bonbon gelutscht oder Kaugummi gekaut werden, um die Speichelproduktion anzuregen.

Gegen Aufregung hilft auch Achtsamkeit. Jede eigene Bewegung vor und während des Auftritts kann voll erfasst werden. Im Zen-Buddhismus gibt es die Übung:

Trinke, wenn du trinkst, esse, wenn du isst, tanze, wenn du tanzt.


Viele unnötige Gedanken und Bewegungen, etwas gleichzeitig tun zu wollen, sind gar nicht nötig. Ziehe die Schuhe an, ohne in den Spiegel zu gucken oder dabei noch zu telefonieren. Bereite die Choreographie im Kopf vor, ohne darüber nachzudenken, was daraus wird, wie sie wirkt, was geschehen könnte. Tanze einfach.

Die richtige Atmung gegen Lampenfieber

Um das Herzklopfen ein für alle Male unter Kontrolle zu bringen, ist es ratsam, sich auf die eigene Atmung zu konzentrieren und diese bewusst zu verlangsamen. Das geht, indem verstärkt durch die Nase geatmet wird.

Um in diesem Fall richtig zu atmen, gibt es Atemübungen, die gegen Lampenfieber helfen. Gleichmäßiges und tiefes Atmen dient der Entspannung.

Um die Atmung ganz zu spüren, können die Hände auf den Bauch, genauer auf das Zwerchfell gelegt werden. Beim Atmen durch die Nase lässt sich so spüren, wie sich die Bauchdecke und der Brustkorb heben und senken.
Wichtig ist, gleichmäßig, ruhig und langsam durch die Nase einzuatmen. Das Zwerchfell dehnt sich dabei spürbar aus, die Bauchdecke hebt sich an.
Die Luft wird einige Sekunden gehalten, schließlich langsam wieder ausgeatmet. Dabei senkt sich die Bauchdecke wieder.
Durch das Auflegen der Hände wird die Atmung ebenfalls zu Achtsamkeit und damit zu einer meditativen und beruhigenden Übung vor dem Auftritt. Sie kann einige Male wiederholt werden, bis sich die Anspannung spürbar gelegt hat. Der winzige Rest an Lampenfieber wird dann die Energie sein, die den Auftritt erfolgreich macht.