Stufeneinteilung im orientalischen Tanz

Stufeneinteilung beim orientalischen Tanz nach Shahrazad

Dieser Text stammt von Shahrazad:

In meinen Kursen stelle ich immer wieder fest, daß es für die Teilnehmerinnen oft schwierig ist, das eigene Können einzustufen. So sind Frauen über- bzw. unterfordert, wenn siw sich zum falschen Kurs anmelden. Der in beiden Fällen auftretende Ärger oder Frust ist auf das Fehlen einer einheitlichen Begriffsdefinition zurückzuführen.

Was darf man unter “Mittelstufe”, “Fortgeschrittene” usw. verstehen? Stark differieren auch Voraussetzungen der Lernenden: Wie lange hat die bisherige Ausbildung gedauert? Bei wem wurde gelernt? Wieviel Talent wird mitgebracht? Welche finanziellen Mittel sind vorhanden? Gibt es Vorkenntnisse aus anderen Tanzrichtungen? Wie groß ist das Engagement beim Üben?

So kann es vorkommen, daß jemand technisch weit fortgeschritten ist, der Ausdruck jedoch fehlt. Eine andere ist Meisterin im Mienenspiel, verfügt aber nicht über rhythmische Sicherheit. Was soll man von “Videomeisterinnen” halten, die alles unreflektiert kopieren, ohne jegliches Verständnis innerer Werte? Was von den “Wunderkindern”, denen der rechte “Takt” im Umgang mit ihren Mitmenschen fehlt?

Aus meiner über zehnjährigen Unterrichtspraxis habe ich ein Schema entwickelt, das ich hier vorstellen möchte. Selbstverständlich kann es nicht alle möglichen Kriterien; ich halte es trotzdem für hilfreich bei einer vernünftigen Selbsteinschätzung. Unterrichten kann man übrigens nur bis zu einem Niveau, das man selbst erreicht hat…

Shahrazad

 

Übersicht sortiert nach Stufen

Anfänger

Rhythmus: Kann den Takt mehr oder weniger gut halten

Körperbeherrschung: Einfache Übungen, um den Körper kennen zu lernen und links/rechts, vorne/hinten usw. zu unterscheiden

Schritte: Gehen zur Musik

Ausdrucksfähigkeit: Keine

Repertoire: Keines

Hintergrundwissen: Keines

Verhaltensweise allgemein: Neugierig

Verhaltensweise positiv/negativ: Positiv – Offen / Negativ – Geschlossen

 

Mittelstufe

Rhythmus: Kann bis “vier” zählen und findet die Eins.Kennt: Baladi, Chiftetelli. Zimbelt im Dreierschlag

Körperbeherrschung: Isolierte Bewegungen und deren Kombinationen. Einfache Baladitechnik mit Hüfte, Armen, Händen und Schleier.

Schritte: Einfache Schritte in verschiedene Richtungen

Ausdrucksfähigkeit: Lernt lächeln.

Repertoire: Schrittfolgen, kurze, einfache Choreographie

Hintergrundwissen: Oberflächliche Kenntnis über orientalische Länder

Verhaltensweise allgemein: Unsicher, Türen öffnen sich

Verhaltensweise positiv/negativ: Positiv – Spaß am Lernen / Negativ – Zweifel: lerne ich das jemals?

 

Fortgeschrittene

Rhythmus: Saidi, Maksum, Masmudi, Ayub, Khaleegy. Zimbelt beim Baladi.

Körperbeherrschung: Verschiedene Shimmies. Gute Isolationsfähigkeit, gute Haltung, schöne Hand- und Armbewegungen, Trommelsolo, weitere Schleiertechniken.

Schritte: Schritte kombiniert mit: unterschiedlichen Handbewegungen, Drehungen, Akzenten, einfachen Shimmies und Körperwellen.

Ausdrucksfähigkeit: Kann verschiedene Stimmungen unterschieden und zum Ausdruck bringen (Musikgefühl).

Repertoire: Komplette orientalische Tanzroutine, Stocktanz

Hintergrundwissen: Kenntnisse über Sitten und Bräuche orientalischer Länder und die wichtigsten Künstler (Sängerinnen, Tänzerinnen, Musiker etc.)

Verhaltensweise allgemein: Wird ambitionierter

Verhaltensweise positiv/negativ: Positiv – Sicheres Auftreten / Negativ – Eifersucht, Kopieren

 

Weit Fortgeschrittene

Rhythmus: Malfuf, Fellahi, 9/8, Samai und weitere spezifische Rhythmen (persisch etc.). Tanzt mit Zimbeln.

Körperbeherrschung: Gute Drehfähigkeit auch mit Accessoires. Figurenkombinationen mit Shimmies und Stops. Kann mit Live-Musikern tanzen. Beherrscht Trommelsolo und Bodentanz.

Schritte: Spezifische Schritte passend zur Musik. Improvisationsfähigkeit erlernter Schritte: Kann Schrittkombinationen mit Tanzfiguren und Shimmytechniken verbinden.

Ausdrucksfähigkeit: Weiß, zu welchem Tanz welcher Ausdruck gehört und warum. Entwickelt Persönlichkeit bei Auftritten.

Repertoire: Hat choreographische Kenntnisse. Weiterer Ausbau der Perfektion der Tanzroutine. Spezifische Tänze wie z.B. nubisch, andalusisch ect.

Hintergrundwissen: Kenntnis von orientalischer Literatur, Musik, Religion, Sprache, Architektur etc. Hat Hintergrundwissen über Künstlerpersönlichkeiten.

Verhaltensweise allgemein: Die Auftritts- bzw. Bühnenwelt öffnet sich.

Verhaltensweise positiv/negativ: Positiv – Herzliche Kollegialität / Negativ – Probiert, den Erfolg zu erzwingen (auch durch unfaires Verhalten)

 

Meister

Rhythmus: Erkennt Rhythmen sofort und weiß, was dazu paßt. Hat ein gutes reproduktives Short Time Memory für rhythmische Sequenzen.

Körperbeherrschung: Führt passend zur Musik harmonische schnelle und langsame Bewegungen mit Leichtigkeit und Virtuosität aus.

Schritte: Kann selbst gut choreographieren und improvisieren.

Ausdrucksfähigkeit: Wirkt total überzeugend, kann begeistern, weckt Gefühle, spielt mit Energien, Pantomime

Repertoire: Hat ein großes Repertoire und erweitert dies regelmäßig mit eigenen neuen Tänzen oder gekauften Choreographien.

Hintergrundwissen: Ist in der orientalischen Welt zu Hause und vertieft sich spezifisch immer weiter.

Verhaltensweise allgemein: Genießt öffentliche Anerkennung durch wirkliches Können.

Verhaltensweise positiv/negativ: Positiv – Immer warmes, korrektes Verhalten / Negativ – Nicht möglich, wäre noch kein Meister

 

Übersicht sortiert nach Gebieten

Rhythmus

Anfänger: Kann den Takt mehr oder weniger gut halten

Mittelstufe: Kann bis “vier” zählen und findet die Eins.Kennt: Baladi, Chiftetelli. Zimbelt im Dreierschlag

Fortgeschrittene: Saidi, Maksum, Masmudi, Ayub, Khaleegy. Zimbelt beim Baladi.

Weitfortgeschrittene: Malfuf, Fellahi, 9/8, Samai und weitere spezifische Rhythmen (persisch etc.). Tanzt mit Zimbeln.

Meister: Erkennt Rhythmen sofort und weiß, was dazu paßt. Hat ein gutes reproduktives Short Time Memory für rhythmische Sequenzen.

 

Körperbeherrschung

Anfänger: Einfache Übungen, um den Körper kennen zu lernen und links/rechts, vorne/hinten usw. zu unterscheiden

Mittelstufe: Isolierte Bewegungen und deren Kombinationen. Einfache Baladitechnik mit Hüfte, Armen, Händen und Schleier.

Fortgeschrittene: Verschiedene Shimmies. Gute Isolationsfähigkeit, gute Haltung, schöne Hand- und Armbewegungen, Trommelsolo, weitere Schleiertechniken.

Weitfortgeschrittene: Gute Drehfähigkeit auch mit Accessoires. Figurenkombinationen mit Shimmies und Stops. Kann mit Live-Musikern tanzen. Beherrscht Trommelsolo und Bodentanz.

Meister: Führt passend zur Musik harmonische schnelle und langsame Bewegungen mit Leichtigkeit und Virtuosität aus.

 

Schritte

Anfänger: Gehen zur Musik

Mittelstufe: Einfache Schritte in verschiedene Richtungen

Fortgeschrittene: Schritte kombiniert mit: unterschiedlichen Handbewegungen, Drehungen, Akzenten, einfachen Shimmies und Körperwellen.

Weitfortgeschrittene: Spezifische Schritte passend zur Musik. Improvisationsfähigkeit erlernter Schritte: Kann Schrittkombinationen mit Tanzfiguren und Shimmytechniken verbinden.

Meister: Kann selbst gut choreographieren und improvisieren.

 

Ausdrucksfähigkeit

Anfänger: Keine

Mittelstufe: Lernt lächeln

Fortgeschrittene: Kann verschiedene Stimmungen unterschieden und zum Ausdruck bringen (Musikgefühl).

Weitfortgeschrittene: Weiß, zu welchem Tanz welcher Ausdruck gehört und warum. Entwickelt Persönlichkeit bei Auftritten.

Meister: Wirkt total überzeugend, kann begeistern, weckt Gefühle, spielt mit Energien, Pantomime

 

Repertoire

Anfänger: Keines

Mittelstufe: Schrittfolgen, kurze, einfache Choreographie

Fortgeschrittene: Komplette orientalische Tanzroutine, Stocktanz

Weitfortgeschrittene: Hat choreographische Kenntnisse. Weiterer Ausbau der Perfektion der Tanzroutine. Spezifische Tänze wie z.B. nubisch, andalusisch etc.

Meister: Hat ein großes Repertoire und erweitert dies regelmäßig mit eigenen neuen Tänzen oder gekauften Choreographien

 

Hintergrundwissen

Anfänger: Keines

Mittelstufe: Oberflächliche Kenntnis über orientalische Länder

Fortgeschrittene: Kenntnisse über Sitten und Bräuche orientalischer Länder und die wichtigsten Künstler (Sängerinnen, Tänzerinnen, Musiker etc.)

Weitfortgeschrittene: Kenntnis von orientalischer Literatur, Musik, Religion, Sprache, Architektur etc. Hat Hintergrundwissen über Künstlerpersönlichkeiten.

Meister: Ist in der orientalischen Welt zu Hause und vertieft sich spezifisch immer weiter.

 

Verhaltensweise allgemein

Anfänger: Neugierig

Mittelstufe: Unsicher, Türen öffnen sich

Fortgeschrittene: Wird ambitionierter

Weitfortgeschrittene: Die Auftritts- bzw. Bühnenwelt öffnet sich.

Meister: Genießt öffentliche Anerkennung durch wirkliches Können.

 

Verhaltensweise positiv/negativ

Anfänger: Positiv – Offen / Negativ – Geschlossen

Mittelstufe: Positiv – Spaß am Lernen / Negativ – Zweifel: lerne ich das jemals?

Fortgeschrittene: Positiv – Sicheres Auftreten / Negativ – Eifersucht, Kopieren

Weitfortgeschrittene: Positiv – Herzliche Kollegialität / Negativ – Probiert, den Erfolg zu erzwingen (auch durch unfaires Verhalten)

Meister: Positiv – Immer warmes, korrektes Verhalten / Negativ – Nicht möglich, wäre noch kein Meister

Copyright: by Shahrazad

Shahrazad

ShahrazadShahrazad, international gefeiertes Tanzphänomen, wurde in den Niederlanden geboren und wuchs in einem Goldschmiedehaushalt mit viel Kunst und Musik auf. Neben einem sechsjährigen Studium an der Maastrichter Kunstakademie wandte sie sich immer intensiver den östlichen Kulturen zu.

Shahrazad’s umfangreiches Wissen und Können im orientalischen und indischen Tanz, ihre Erfahrung mit der Mentalität verschiedenster arabischer Völker und Sprachen sowie ihre spirituellen und weltlichen Gefühle fließen in ihren perfekten Tanz ein und erheben ihn zur Kunst.

Mit außergewöhnlicher Ausdruckskraft kombiniert sie Temperament und Grazie, Witz und Charme, verbindet sie ihr Publikum aufs Neue mit den Urquellen der Inspiration und Lebensfreude.

Kontakt:

Shahrazad
Spichernstrasse 40
50672 Köln

Tel./Fax: (0221) 52 45 92

Homepage: www.shahrazad.org

Email: Shahrazad.Diallo@t-online.de