Auch dieses Buch macht leider wieder den weitverbreiteten Fehler, Dehnübungen mit Aufwärmen gleichzusetzen. So wird empfohlen, zum Aufwärmen jeweils den "Gruß der Göttin" auszuführen, einer Abfolge verschiedener Dehnübungen, die jedoch weder als besonders effektiv (da die Muskulatur kaum gedehnt wird), noch als besonders sinnvoll betrachtet werden kann. Der Hinweis auf ein Cardio / Kreislauf-Warmup vor den Dehnübungen fehlt komplett. Fazit: So kann man sich höchstens mental auf das Training einstellen.
Das Verwirrendste des ganzen Buches war für mich die Reihenfolge der gezeigten Tanzbewegungen: Statt mit Hüftbewegungen startet man zuerst mit Armen , dann folgen Oberkörper und erst danach die Hüfte. Erst nach 5 Grundbewegungen (darunter Schlangenarme als dritte Bewegung ganz am Anfang !!!) folgt als sechstes schließlich die erste Hüftbewegung: Eine unisolierte Hüftwippe mit Horizontale, die als Hüftschwung bezeichnet wird. Das Problem der fehlenden Isolation und Zentrierung setzt sich leider fast ausnahmslos durch das gesamte Buch fort. Ob Hip Pop, Hip Lift oder kleiner Hip Circle - einen Hinweis, dass es ein Unterschied ist, ob man das Becken auf einer Ebene verschiebt oder eben wippt oder kippt, sucht man vergeblich.
Ein weiterer Negativpunkt ist die Beinstellung bei verschiedenen Tanzfiguren: Sie ist z.B. beim großen Hüftkreis sowie bei der Hüftschleife und Maya viel zu groß und viel zu weit, die Bewegungen können so nicht korrekt ausgeführt werden und sehen dadurch plump und unelegant, ja schon fast grotesk aus.
Die Idee der Tanzsequenzen, in denen die gezeigten Bewegungen miteinander verbunden werden, ist zwar grundsätzlich gut, scheitert jedoch in der Praxis, da keinerlei Erklärung zu Geschwindigkeit und Tempo sowie passender Musik gegeben wird. Auf den Fotos wirkt das Ganze daher auch eher wie eine Abfolge GymnastischerÜbungen denn wie ein Tanz.
In den Tanzübungen der Stufe drei wird zusätzlich der Schleier als Tanz-Accessoires eingeführt, jedoch werden keine Schleierfiguren gezeigt, sondern der Schleier lediglich in der Hand gehalten und die bisherigen Bewegungen lediglich mit verschiedenen Armpositionen umrahmt.
Ebensfalls sehr irritiert hat mich auch die "denglischen" Bewegungsbezeichnungen, die verwandt werden. Einmal wird von Hüftschwung und Hüftshimmy gesprochen, denn wieder von Hip Pop, kleinem Hip Circle und Hip Camel. Die Oberkörperbewegungen werden als Chest-Lift, Chest-Circle usw. bezeichnet. Ob jedem Leser klar ist, dass mit Chest Slide ein einfaches Verschieben des Oberkörpers gemeint ist? Jedenfalls dürfte das deutsche-englische Mischmasch bei den Bewegungsbezeichnungen selbst bei entsprechenden Vorkenntnissen nicht gerade für Klarheit, sondern eher für Verwirrung sorgen.