Buchvorstellung: “Nabelfrei” von Elfriede Sattler

So ihr Lieben,

auf die Gefahr hin dass ihr mich jetzt als totalen Bücherwurm und Lese-Nerd abstempelt habe ich mal wieder eine Buchrezension für euch:

NabelfreiDas Buch Nabelfrei von Elfriede Sattler wurde mir von einer Tanzkollegin empfohlen. (Danke Zeraphina, sonst wäre ich nie über dieses Buch gestolpert). Es handelt sich um eine Biografie eines bayrischen Mädchens dass in den 30ern geboren wurde und irgendwann irgendwie „Bauchtänzerin“ wurde.

Das Buch ist in zwei Abschnitten verfasst. In der ersten Hälfte beschreibt Elfriede ihre zerreißende Kindheit auf dem Lande in Bayern. Dieser Teil ist sehr düster, da sie zwischen einem Kloster, ihren Großeltern und ihrer herzlosen Mutter samt tyrannischem Stiefvater hin und her geschoben wird. Prügel, Strafarbeiten, Liebesentzug und Missbrauch gehörten zu ihrem Alltag. An manchen Seiten hätte ich das Buch am liebsten weggelegt weil ich so mit ihr gelitten habe. Irgendwann schafft Elfriede es auszureisen und zieht in die für sie „weite“ Welt hinaus und landet in München. Sie schlägt sich durch die verschiedensten Jobs und landet irgendwann in der Modelbranche. Da sie das reine zur Schau stellen ihres Körpers jedoch anödet sucht sie weiter nach etwas das sie liebt und entdeckt das Tanzen.

Hiermit beginnt der zweite Teil des Buches. Elfriede landet bei einer umherziehenden Tanzgruppe und bereist den Süden Europas. Von Zypern aus ist der Weg in den Orient nicht mehr weit und über eine neue Agentur erhält sie ein Engagement in Ägypten, wo sie das erste Mal eine richtige Orientalische Tänzerin sieht. Sie ist verzaubert und möchte nichts anderes mehr als diesen Tanz zu erlernen. Sie bekommt sogar Unterricht bei einer unserer Ikonen (ja, seid gespannt ;)) und es scheint dass sie wie für diesen Tanz geboren ist. Schnell macht sie Fortschritte und reist durch den ganzen Orient.

Da ihr in Deutschland soviel schlechtes wiederfahren ist, ist sie offen für die neuen Kulturen und schließt viele neue Freundschaften. Ihr Fleiß und Talent führen zu schnell wachsender Beliebtheit. Außerdem erhält sie Einblicke in arabische Lebensgewohnheiten und lernt auf ihrer Reise auch viele Größen der arabischen Musik- und Tanzszene kennen. Bis Sie eines Tages einen Prinzen kennen lernt…

Nabelfrei ist ein echt fesselndes Buch und Elfriede Sattler hat in ihrem Leben unglaubliches erlebt. Ich glaube soviel (entschuldigt diesen Ausdruck) „Krasses Zeug“ hätte sich der fantasievollste Autor nicht auszudenken gewagt… Als Leser erhält man einen Einblick in das Landleben vor und während des Zweiten Weltkrieges und nebenbei noch Details über das Nazideutschland. Im zweiten Teil hingegen führt Elfriede den Leser in eine duftende, klingende, warme Welt voller neuer Entdeckungen. Da ich zurzeit an Djamilas „Raqs Sharki Ausbildung“ teilnehme, fand ich in diesem Teil die Beschreibungen über die Arbeit als Tänzerin und das Leben in der Tanzszene besonders interessant. Viele Namen von Tänzerinnen und Musikern die man kennt erwachen in diesem Buch zum Leben. Doch nicht nur die schönen Seiten des Tänzerinnendaseins werden beleuchtet, sondern auch so mancher Schatten und Einsamkeit. Zu guter letzt gibt es dann auch noch eine zerreisende Liebesgeschichte. Mich hat dieses Buch schockiert, inspiriert und mitgerissen und kann es euch nur wärmstens ans Herz legen…

Und hier noch ein Interview mit Elfriede Sattler:

 

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